Dieser Blog-Themenbereich behandelt strategische, organisatorische und technische Themen rund um den E-Commerce. Nur wenn die Basis stimmt, können die Endpunkte wie Online-Shop, Extranets, Marktplätze und Marketing-Kampagnen den gewünschten Umsatz liefern.

Schwarze Schafe müssen draußen bleiben – Betrugsprävention bis hin zum Hausverbot für Kunden im Online-Shop

Hausverbot für Kunden im Online-Handel - virtuelles Hausrecht

(c) Bettina Vier, Digitalisierung + E-Commerce

Laut CRIF-Umfrage (Quelle: IT-ZOOM, 95 Prozent der Online-Shops von Betrug betroffen, abgerufen: 5.12.2025) verursachen betrügerische Kunden in Online-Shops Millionen- bis Milliardenschäden. Betroffen ist fast jeder Online-Shop. 42% erleiden Verluste von weniger als 10.000 € im Jahr. 32 % müssen Verluste von 10.000 bis 100.000 € verbuchen und 25% sogar mehr als 100.000 €. Neben den Zahlungsausfällen und Warenverlusten muss der Händler zusätzliche Kosten für juristische Dienstleistungen oder Rücksendekosten tragen.

Die häufigsten Betrugsformen in Online-Shops

  • In 76% der Fälle liegt Identitätsdiebstahl vor. Kriminelle gelangen an Informationen wie Namen, Adressen, Zugangsdaten oder Kreditkartendaten, und nutzen diese beispielsweise für Bestellungen, Kontoeröffnungen oder zur Verbreitung von Falschinformationen.
  • 53% der Online-Händler sind durch Eingehungsbetrug betroffen In diesen Fällen wissen die Kunden bereits bei Vertragsabschluss, dass sie nicht in der Lage sind, ihren Vertragsteil leisten zu können, z.B. weil sie zahlungsunfähig sind.

Hausverbot für Kunden: Wer möchte in solchen Fällen nicht vom virtuellen Hausrecht Gebrauch machen?

Online-Händler können auffällige Kunden ausgrenzen, d.h. den Verkauf an diese Kunden verwehren (interne Blacklist). Das gilt insbesondere, wenn sachliche Gründe vorliegen (wie z.B. wiederholter Zahlungsausfall oder Betrugsversuch). Die Grundrechte dürfen dabei nicht verletzt werden. Die Voraussetzung ist, dass die Regelung hierzu in den AGBs hinterlegt sind.

Nach einem Urteil vom 29.05.2020, Az. V ZR 275/18 dürfen private stationäre Händler und Online-Händler Kunden auch ohne sachlichen Grund ausschließen, wenn hierüber Grundrechte nicht verletzt werden, und Kunden nicht maßgeblich vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. (Quelle: Online-Shops dürfen virtuelles Hausverbot erteilen, VY, abgerufen 5.12.2025)

Das Hausverbot für Kunden ist das härteste Mittel, das ergriffen werden kann. Doch bevor es dazu kommt, können Sie mit Hilfe der Technik Vorsorge treffen.

Technisch gesteuerte Maßnahmen der Betrugspräventionen vorgestellt

Schutz vor Fake-Bestellungen, Zahlungsausfall und Identitätsdiebstahl

  • Bonitätsprüfungen (z. B. Schufa, Boniversum)
  • Adressvalidierung & Plausibilitätschecks
  • Fraud-Prevention-Tools von Payment-Providern (Stripe Radar, PayPal Seller Protection, Adyen etc.)

Schutz vor Missbrauch des Rechnungskaufs und Stornierung von Rücklastschriften

Kunden klassifizieren und nach Kundenkategorie Zahlungsarten zuteilen. Einfachste Variante wäre z.B. diese:

  • Neukunden und nicht vertrauenswürdigen Bestandskunden: Sichere Zahlungsarten wie Vorkasse, Sofortüberweisung, Paypal oder Kreditkarte.
  • Vertrauenswürdige Bestandskunden: Rechnungskauf, Lastschrift, Ratenkauf, später zahlen

Schutz vor Reselling-Betrug und Mehrfachbestellungen unter falschen Identitäten

Ein Reselling-Betrug liegt z.B. vor, wenn ein Kunde ein Online-Seminar bucht und teurer weiterverkauft. Mehrfachbestellungen unter falschen Identitäten werden genutzt, um teure Waren zu beziehen, die sie nicht benutzten. Durch den Diebstahl bekannter Personen werden Bonitätsprüfungen umgangen.

Mögliche Betrugspräventionen:

  • Identitätsnachweise einfordern, z.B. Post-Ident-Verfahren, digitaler Personalausweis
  • Bonitätsprüfungen (z. B. Schufa, Boniversum)
  • Einkaufslimits (z.B. pro Einkauf, Zeitperiode)
  • Ausschluss auffälliger PLZ-Gebiete
  • Unterscheidung nach Neukunden und vertrauenswürdigen oder nicht vertrauenswürdigen Bestandskunden

Schutz vor „Nicht erhalten“ und Rücksendebetrug

Rücksendebetrug liegt vor, wenn Kunden leere Pakete zurückschicken, das Produkt austauschen oder benutzte Produkte (z.B. getragene Kleidung) zurückschicken.

Mögliche Betrugspräventionen:

  • Versandtracking gegen „nicht erhalten“
  • Seriennummern bei Retouren prüfen (QR- oder Strich-Codes, RFID)
  • Retourendokumentation mit Kameraüberwachung
  • Beschädigungserkennung (KI unterstützt)
  • Kunden mit hoher Retourenquote markieren (s. unten auch Hausrecht)

Rechtssichere und klar formulierte AGBs und Widerrufsregelungen

  • Informationen zur Rücksendung und zum Widerruf
  • Ausschluss bestimmter Waren von der Rücksendung (z.B. digitale Produkte, Hygiene-Artikel)

Muster erkennen

Durch den Einsatz von fraud detection Tools können Muster erkannt werden, z.B.

  • Ungewöhnliche IP-Adressen
  • Bestellhäufigkeit vs. Bestellgewohnheit
  • Retourenverhalten
  • Reklamationen von Kunden
  • Abweichende Rechnungs- und Lieferadressen
  • Nutzung von VPN / Proxy (können als Tarnversuche gewertet werden)

Beratung von Datenschützer und Juristen einholen

Generell gilt: Bei der Einführung technischer Präventionsmaßnahmen bis hin zum Hausverbot für Kunden immer die Experten des Datenschutzes und Online-Rechts einzubinden. Die rechtliche Verflechtungen und Rahmenbedingungen können insbesondere im internationalen Umfeld sehr komplex werden. Daher muss bei der Umsetzung entsprechende Sorgfalt betrieben werden.

Disclaimer

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel keine Rechtsbelehrung darstellt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen Juristen mit entsprechenden Kenntnissen.

 

Download Spotlight „Betrugsprävention“

Betrugspräventionen im E-Commerce

Hier können Sie sich einen Überblick möglicher Maßnahmen zur Betrugsprävention mit Hinweis auf technischen Lösungen herunterladen.

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Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

 

Marktmacht E-Commerce: Wie der Onlinehandel die Wirtschaft transformiert

Marktmacht E-Commerce

(c) Bettina Vier

Der Onlinehandel hat sich nicht zuletzt durch die Corona Pandemie zu einem zentralen wirtschaftlichen Motor und Kampfplatz der Supermächte entwickelt. Was zur Jahrtausendwende mit einfachen Webshops begann, ist heute ein globales Ökosystem aus spezialisierten und KI-gestützten Backend-Systemen, Online-Shops, digitalen Marktplätzen, Logistiknetzwerken, Zahlungsdienstleistern und automatisierten Prozessen im Online-Marketing.

Marktmacht E-Commerce: Der aktuelle Stand in Deutschland und Europa

  • In Deutschland wächst der Onlinehandel: Laut einer aktuellen Studie des EHI Retail Institute und der ECDB verzeichneten die 1.000 umsatzstärksten B2C-Onlineshops 2024 einen Netto-E-Commerce-Umsatz von 80,4 Mrd. Euro — ein nominales Wachstum von 3,8 % bzw. +2,9 Mrd. Euro. (Quelle: EHI Retail Institute, abgerufen 29.11.2025) Damit wuchs der Online-Handel fast doppelt so stark wie der stationäre Handel, der mit 2% zulegte (EHI Handelsdaten, abgerufen 29.11.2025).
  • Der Verband HDE (Handelsverband Deutschland) prognostiziert für 2025 ein Wachstum um etwa 4 %, womit der Online-Handelsumsatz in Deutschland auf rund 92,4 Mrd. Euro steigen könnte. (Quelle: Cross-Border E-commerce Magazine+1, abgerufen 29.11.2025)
  • Auf Wachstumskurs befinden sich laut Markt & Mittelstand B2C-Produkte der Kategorien Lebensmittel, Drogerieartikel, schnelllebige Konsumgüter (FMCG) sowie Second-Hand-Waren. (Quelle: Markt & Mittelstand+1, abgerufen 29.11.2025)
  • Auf europäischer Ebene zeigt sich ähnliches Wachstum: Laut einer Prognose des Beratungsunternehmens Forrester soll der Online-Einzelhandel in den fünf großen Volkswirtschaften (darunter Deutschland) bis 2029 mit einer jährlichen Wachstumsrate von durchschnittlich 7,8 % wachsen. (Quelle: onlinemarktplatz.de+1, https://onlinemarktplatz.de/252655/e-commerce-umsatz-steigt-bis-2029, abgerufen 29.11.2025)

Diese Zahlen zeigen deutlich: Der E-Commerce stabilisiert sich nach dem Pandemie-Boom nicht nur auf einem höheren Niveau, sondern wächst weiter. Damit festigt er seine Rolle als wichtiger Verkaufskanal im Einzelhandel.

Herausforderungen und kritische Aspekte

Mit steigender Relevanz des E-Commerce steigt der Wettbewerbsdruck und der staatliche Eingriff, um Betrug und negative gesellschaftliche Folgen zu vermeiden.

  • Konzentration und Marktmacht: Große Plattformen und Marktplätze dominieren den Markt — kleinere Händler haben oft Schwierigkeiten mitzuhalten. Das kann zu Monopol- oder Oligopol-Strukturen führen und Konkurrenz verzerren.
  • Druck auf stationären Einzelhandel und lokale Anbieter: Besonders lokale und kleinere Geschäfte leiden. Sie verlieren Kunden, Umsatz und oft auch ihre Existenzgrundlage, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht ändern.
  • Ökologische und soziale Fragen: Schneller Versand, Retouren, Verpackungsmüll und steigende Logistikbelastung bedeuten ökologische Kosten. Auch Arbeitsbedingungen in Versand und Logistik stehen oft in der Kritik.
  • Abhängigkeit von Technologie und Infrastruktur: E-Commerce braucht stabile Internetanbindungen, ausgefeilte IT- und Logistik-Infrastruktur. Ein Umfeld, das von Marktplätzen angeboten wird, aber für den eigenen Online-Shop erst aufgebaut werden muss.
  • Regulierungen erschweren einen rechtssicheren Onlinehandel: Staatliche Vorgaben wie z.B. die Datenschutzbestimmungen, das Verpackungsgesetz, die Produktsicherheitsverordnung oder auch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz erhöhen die Komplexität und den technischen Aufwand für Online-Shop-Betreiber. Die Regularien stellen daher für viele Gründer eine immer höhere Hürde für den Online-Markteintritt dar.

Was die Marktmacht E-Commerce für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet

Die Marktmacht des E-Commerce beeinflusst immer stärker die Einzelhandelsstruktur und das Verbraucherverhalten. Das hat positive und negative Auswirkungen:

  • Für die Wirtschaft bedeutet der E-Commerce neue Wachstumsmärkte, Innovationen, Wettbewerbsdruck und gleichzeitig Herausforderungen für traditionelle Handelsmodelle.
  • Für den Arbeitsmarkt ist der Strukturwandel bereits im Gange: neue Jobs in Logistik, IT und Data Analytics, aber auch verstärkte Automatisierung in diesen Bereichen durch KI. Im Einzelhandel wächst der Druck ebenfalls stärker zu digitalsieren und geeignete Fachkräfte zu finden.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher freuen sich einerseits über mehr Auswahl, oft günstigere Preise und bequemeren Einkauf. Aber Sie müssen sich auch mit Fragen nach Nachhaltigkeit, Datenschutz und fairen Arbeitsbedingungen auseinandersetzen.
  • Für die soziale Gemeinschaft bedeutet der Online-Einkauf, dass Menschen noch stärker in ihren vier Wänden bleiben und der soziale Kontakt abnimmt. Das führt immer mehr zum Gefühl der Vereinsamung und trägt zudem dazu bei, dass die Entwicklung der sozialen Kompetenz vernachlässigt wird.
  • Mit Blick auf die Stadt- und Regionalentwicklung ist bereits heute schon zu beobachten, dass der traditionelle Einzelhandel nicht nur aufgrund fehlender Nachfolger, sondern auch durch die Marktmacht E-Commerce ausgedünnt wird. Damit verlieren Innenstädte an Attraktivität und benötigen neue Ansätze, um als Raum für soziale Gemeinschaften und für die lokale Versorgung wahrgenommen zu werden.

Fazit

Die „Wirtschaftsmacht E-Commerce“ ist real — und wird weiter wachsen. Über den Online-Handel drängen verstärkt internationale Händler auf den nationalen Markt, die aufgrund ihrer lokalen Rahmenbedingungen Vorteile ausspielen können. Dadurch werden Logistikprozesse und die Frage der Nachhaltigkeit eine immer größere Bedeutung gewinnen.

Das Verbraucherverhalten hat sich bereits jetzt schon signifikant verändert: Innenstädte werden immer stärker zur Bummelmeile, während der Einkauf zum Teil online stattfindet. Während der Online-Einkauf auf der einen Seite als Zeitersparnis und bequem wahrgenommen wird, steigen auf der anderen Seite das Risiko der Überschuldung und Vereinsamung.

Der Onlinehandel verändert damit, wie wir einkaufen, wie Unternehmen wirtschaften, wie Städte und soziale Gemeinschaften funktionieren und wie unsere globalisierte Wirtschaft strukturiert ist. Für Unternehmen, Politik und Gesellschaft heißt das, die Nachteile zu erkennen und zu korrigieren. Aufhalten lässt sich der Wandel nicht.

Hinweis

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von ChatGPT recherchiert und vorbereitet und von mir (Bettina Vier, Bloggerin) inhaltlich überarbeitet.

 

Meine Empfehlung zum Weiterlesen

PIM-System: Das Herz des Produktdatenmanagements

Mit Produktdatenmanagement Umsatzpotenziale realisieren

(c) kerkezz/Adobe Stock

Mit Produktdatenmanagement Umsatzpotenziale realisieren

Eine Umfrage des Softwareunternehmens One Data (2024) hat ergeben, dass 59% der Business- und IT-Entscheider der Umfrage von der effektiven Nutzung ihrer Daten überzeugt sind.

Doch Bitkom zeigt in einer eigenen Studie (2024), dass lediglich 6% der deutschen Unternehmen das Datenpotenzial nutzen. Insbesondere in der Beschaffung und Produktion nennt das Institut ein Defizit von etwa 75%. Marketing und Kundenservice sind schon weiter: hier nennt die Studie ein Defizit von 60%.

Gründe sind laut One Data häufig fehlende Zuständigkeiten, technische Komplexität Datenschutzbedenken. Lediglich 17% der Unternehmen beschäftigen einen Chief Data Officer.

(Quelle: Connect Professional, Deutsche Unternehmen unterschätzen das Potenzial ihrer Daten, Studie von One Data, https://www.connect-professional.de, abgerufen: 14.11.2025)

 

Machen Sie eine Vermögensaufstellung ihrer Produktdaten

Prüfen Sie in drei Schritten, ob sie bereits das Potenzial ihre Produktdaten effektiv nutzen:

Schritt 1:
Wo entstehen Ihre Produktdaten – und wer pflegt sie?

Schritt 2:
Welches Potenzial haben Ihre Daten heute und morgen?

Schritt 3:
Was wäre möglich, wenn Sie alle Informationen an einem Ort bündeln und automatisiert verteilen könnten?

 

Welche Schlussfolgerung können Sie ziehen?

Arbeiten Ihre Produktdaten bereits für Sie, oder arbeiten Sie für die Produktdaten?

Im ersten Fall haben Sie vermutlich bereits ein sehr gut funktionierendes Produktinformationsmanagement.

Im zweiten Fall sollten Sie sich mit einem PIM-System auseinandersetzen.

 

PIM-Systeme können mehr als nur Daten zentral zu speichern

Datenmanagement

  • Zentralisierung aller produktrelevanten Informationen
  • Konsolidierung heterogener Datenquellen
  • Validierung und Datenqualität („Single Source of Truth“)

Anreicherung & Automatisierung

  • Kontextualisierung und dynamische Attribute
  • KI-gestützte Übersetzungen & Analysen
  • Regelbasierte Datenanreicherung

Distribution

  • Ausspielung an Shops, Marktplätze, ERP, CRM
  • Generierung digitaler Kataloge & individueller Datenpakete
  • Unterstützung von Marketing, Vertrieb & Service

Die Vorteile der zentralen Datenhaltung von Produktinformationen in einem PIM-System auf einen Blick

  • Höhere Datenqualität → weniger Fehler, konsistente Informationen
  • Beschleunigte Produktentwicklung durch vollständige Datenbasis
  • Optimierte Prozesse in Beschaffung, Vertrieb, Service
  • Compliance & Regularien leichter umsetzbar
  • Bessere Partner- & Lieferantenzusammenarbeit
  • Time-to-Market beschleunigt
  • Internationale Skalierung & Omnichannel
  • Besseres Kundenerlebnis durch konsistente Produktinformationen

PIM-System: Das Herz des Produktdatenmanagements

 

Laden Sie sich hier eine Übersicht zum zentralen Produktdatenmanagement in einem PIM-System herunter. 

Bei Fragen können Sie mich gerne kontaktieren.

 

 

 

 

 

Meine Empfehlung zum Weiterlesen:

Digitaler Produktpass im E-Commerce

Digitaler Produktpass im E-Commerce

Der Digitaler Produktpass 2030 betrifft auch den E-Commerce. Jetzt mit den Vorbereitungen beginnen!

Der digitale Produktpass wird EU weit eingeführt (Verordnung (EU) 2024/1781) und beinhaltet detaillierte Daten zur Herkunft, Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeitsmetriken und Anweisungen zur Entsorgung oder zum Recycling.

Der digitale Produktpass ist das große Ziel der europäischen ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) die für 2050 den „Green Deal“ anstrebt (s. Anlage).

Obwohl oder weil die Informationslage noch sehr ungenau ist, empfehle ich jetzt schon ein Projekt anzulegen und in die Vorbereitung zu gehen! Hier ein paar Anregungen.

Digitaler Produktpass Schritt 1:

Am 19. Juli Verbot der Vernichtung von Textilien und Bekleidung

  • Zur Vernichtung müssen Alternativen gefunden und der Verbleib, der nicht verkauften Ware, dokumentiert werden. Das gilt auch für E-Commerce-Händler.
  • Die Sortimentsanalyse für den Verkauf und die damit einhergehenden Prozesse der Bestellungen müssen neu gedacht werden. Die chinesischen Konkurrenten setzen schon längst KI ein, um neue Modelle im Verkauf zu testen und gehen zunächst nur mit kleinen Mengen auf den Markt: Kleiderproduktion just in time.
  • Chance auf Marktplätzen: Welcher Händler ist out of stock und wer kann liefern oder hat ein alternatives Produkt? Aktives Marktplatzmanagement ist gefragt.

Digitaler Produktpass Schritt 2:

Zum 31.12.2025 sollen technische Details zum Digitalen Produktpass bekannt gegeben werden.

Das ist bekannt: Datenträger und UID müssen der Norm (ISO/IEC) 15459:2015 entsprechen. Jedes Produkt wird einen eindeutigen Identifier haben, z.B. ein QR-Code, Barcode, RFID; nicht alle Informationen werden öffentlich zugänglich sein.

Doch welche Daten von den Herstellern erfasst und welche davon den Kunden im Shop zur Verfügung gestellt werden müssen ist unklar. Zudem ist vorgesehen, dass der Verkäufer auch ein Feedback zum Produkt gibt (vermutlich u. a., ob das Produkt verkauft wurde).

Meine Tipps zum Vorgehen:

  • Jetzt schon prüfen, wo die erforderlichen Daten gespeichert werden sollen – idealerweise besitzen Sie bereits ein PIM-System. Wenn nicht, sollten Sie jetzt darüber nachdenken eins einzuführen.
  • Welche Schnittstellen werden angepasst werden müssen, um die Daten an weitere Online-Systeme (z.B. Marktplätze) weitergeben zu können?
  • Sprechen Sie mit Ihren Systemberatern, ob ihr System zukünftig die Verarbeitung der DPP-Daten berücksichtigen wird.
  • Im Shop: Prüfen Sie jetzt schon, wie sie die zusätzlichen Informationen in Ihrem Shop auf den Produktseiten darstellen könnten. Bereiten Sie sich auch darauf vor, dass es für ein Produkt in Zukunft verschiedene Chargen geben wird, weil die „Rohstoffe“ aus verschiedenen Ländern kommen.

Digitaler Produktpass Schritt 3:

2026 – Ausweitung des Vernichtungsverbots auf alle unverkaufte Verbrauchsprodukte

siehe oben bei Textilien

Digitaler Produktpass Schritt 4:

Q4/26-Q1/27 – Einführung des Digitalen Produktpass für die Produktgruppen „Textilien“ und „Eisen/Stahl“ (andere Quellen nennen „Textilien“, „Batterien“ und „Elektronikprodukte“); danach folgt eine 18monatige Probezeit

  • Die Themen, die Sie bis dahin gesammelt und vorbereitet haben, müssen nun konkretisiert und umgesetzt werden.

 

Digitaler Produktpass Schritt 5:

Mitte/Ende 2028 – Digitaler Produktpass für die Produktgruppen „Textilien“ und „Eisen/Stahl“ wird zur Pflicht

 

Fazit: Herausforderung für den E-Commerce

  • Die primäre Herausforderung wird bei der Verwaltung der Produktdaten und dem Nachweis des Verbleibs der Bestände liegen.
  • Die Webseiten müssen inhaltlich angepasst werden, damit Verbraucher die Daten einsehen können. Hier muss neben der Produktdatenstruktur auch die Mehrsprachigkeit berücksichtigt werden.
  • Wer seine Produkte auf andere Plattformen vertreibt muss auch dort die Informationen zur Verfügung geben und Rückmeldungen an das zentrale System geben. Das bedeutet die Anpassung aller relevanten Schnittstellen.

 

Quelle:

Die hier geteilten Informationen basieren auf den Informationen aus einem Online-Seminar des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie am 8. April 2025

 

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

 

Barrierefreiheit auf Webseiten wird Pflicht – und warum Ihre Website davon profitiert

Barrierefreiheit im Internet.

(c) dashu83 – stock.adobe.com

Ab Juni 2025 gilt das deutsche Barrierefreiheitsstärkungsgesetz

Das Barrierefreitsstärkungsgesetz resultiert aus der EU-Richtlinie des European Accessibility Act (EAA). Demnach müssen alle B2C-Webseiten und Web-Apps, wie z.B. B2C-Shops und Webseiten von Anwälten, die Terminvereinbarungen und Informationen anbieten, barrierefrei gestaltet sein. Ausgenommen sind reine B2B-Unternehmen und Kleinstunternehmen (max. 9 Beschäftigte, maximal 2 Mio. € Jahresumsatz und max. 2 Mio. € Jahresbilanzsumme). Bestehende Inhalte, die vor dem Stichtag auf der Website veröffentlicht wurden, genießen eine Übergangsfrist bis 2030. Neue Inhalte dürfen nur mit Barrierefreiheit veröffentlicht werden.

Grundlagen sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) sowie die europäische Norm EN 301 549.

In der Umsetzung werden die Maßnahmen nach drei Stufen eingestuft, von denen die ersten beiden verbindlich sind:

  • Stufe A = MUSS
  • Stufe AA = SOLL
  • Stufe AAA = KANN

Warum ihre Website von der Eigenschaft „barrierefrei“ profitiert

Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa wird die Bevölkerung immer älter. Schon heute zeigt der „Windel-Index“ in Japan, dass mehr Windeln für Erwachsene verkauft werden als für Babys.*

Mit dem Wandel der Bevölkerungsstruktur nehmen auch die körperlichen und geistigen Einschränkungen innerhalb der Bevölkerung zu. Eine barrierefreie Websitegestaltung soll daher ermöglichen, dass diese Bevölkerungsschicht am digitalen Leben teilnehmen kann.

Die Einschränkungen sind vielfältig und betreffen z.B. die Fähigkeit zu Sehen, Hören sowie die motorischen Fähigkeiten, die die Bedienung einer Maus beispielsweise erschweren. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen auch in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, und vermehrt auf Online-Angebote und -Services zugreifen. Zudem gehört diese Generation zur ersten Generation, die mit Computer zu arbeiten gelernt hat und daher auch die notwendige technische Bereitschaft mitbringt.

Wer barrierefrei denkt, passt sich folglich einem wachsenden Markt im Seniorensegment an. Zusätzlich profitieren jüngere Menschen mit körperlichen Einschränkungen sowie ausländische Mitbürger, die bspw. verstärkt Sprachübersetzungsdienste einsetzen.

Die vorzunehmenden Maßnahmen bringen noch weitere Vorteile: Die zusätzliche Textelemente bei Bildern und Videos sowie ein klar strukturierter Text und eine gut beschriftete Navigation unterstützten Suchmaschinen-Rankings und die Auswertung durch KI-Tools.

Die wichtigsten Regeln für Barrierefreiheit in der Websitegestaltung

Die WCAG unterstütz bereits seit 1999 die Barrierefreiheit im Web und weist darauf hin, dass einfache Bedienelemente sowie die Möglichkeit Screenscanner einsetzen zu können, jeden User Vorteile bringt:

  • Website muss unabhängig vom Gerät genutzt werden können.
  • Klare und leicht verständliche Sprache; dabei auch auf Abkürzungen verzichten oder diese in Klammern auflösen.
  • Textalternativen für Bilder und Multimediaelemente, die von Screenreadern gelesen werden können. Allerdings nur, wenn sie relevante Informationen enthalten. Medien ohne Alternativtext werden von Screenreadern ignoriert.
  • Kontraste bei Farbkombinationen sowie lesbare Schrifttypen und skalierbare Schriftgrößen einsetzen, um Menschen mit Seheinschränkungen das Lesen zu erleichtern.
  • Die Navigierbarkeit mit Tastatur sowie große Buttons helfen Menschen mit Seheinschränkungen und motorischen Schwierigkeiten.
  • Klare Strukturen und Organisation einer Webseite unterstützen Screenreader. Dazu gehören auch Verlinkungen mit sinnvollen Link-Texten.
  • Animierte Elemente die stark Flackern und Blinken vermeiden, da sie z.B. Sehstörungen verstärken.
  • Videos und Audiodatei müssen Untertitel haben oder Transkriptionen (Darstellung der gesprochenen Sprache in Text) ermöglichen, damit sie von Screenreadern gelesen werden können.
  • Neben optischen Signalen sollen auch akustische Signale auf Ereignisse hinweisen.

Hinweis: Die Liste hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Was passiert, wenn die Regeln zur Barrierefreiheit nicht umgesetzt werden?

Wer die Barrierefreiheit nicht einhält, wird zunächst ermahnt und muss bei wiederholter Auffälligkeit mit hoher Geldstrafe rechnen.

Disclaimer

Dieser Artikel stellt keine Rechtsbelehrung dar, sondern ist lediglich als Information zu einer gesetzlichen Regelung zu verstehen. Bitte lassen sie sich von Fachexperten beraten.

*Quelle: forgsight, Das Innovations-Magazin für Manager, Demografischer Wandel: Der Windel-Index, https://forgsight.com/demografischer-wandel-der-windel-index/, abgerufen am 09.03.2025

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Onlinehandel China – dank KI stärkste Nation

Onlinehandel China - dank KI stärkste Nation, aber wir können aufholen

(c) Александр Бердюгин – stock.adobe.com #766872462

Der Onlinehandel China liegt im Umsatz nicht nur weit vor den USA, selbst USA und Europa zusammen reichen nicht an China heran. Dabei wird der Umsatz nicht ausschließlich im eigenen Land generiert. Längst haben sich E-Commerce-Giganten aus China international etabliert und schröpfen den Markt ab. Zum Vergleich (Umsätze):
China: 2.179 Mrd. US
USA: 981 Mrd. US
Deutschland: 113 Mrd. US

Beispiel Shein – E-Shop für Mode:

Der Erfolg basiert auf niedrige Einstiegsproduktionen und niedrigen Preisen. Neue Modelle werden in geringen Mengen aufgelegt und erst dann in der Produktion hochgefahren, wenn der Verkauf funktioniert. Dafür wird KI eingesetzt, die aufgrund der Kaufverhalten Trends erkennt und sofort das Angebot anpasst. Traditionelle europäische Händler, planen ihre Trends mind. ein Jahr im Voraus und das nach Saison.

Beispiel Alibaba – Weltweit der größte B2B-Online-Handel:

Auch hier wird auf ein breites Sortiment und das Sammeln von Daten gesetzt. Alibaba vermittelt zwischen Anbietern und Käufern und stellt aufgrund der Suchen und Angebote Kontakte her. Für die Auslieferung werden lokale Hubs gebaut. Ohne KI nicht kurzfristig umsetzbar.

Beispiel Ali-Express – B2C-Marktplatz (gehört zu Alibaba)

Über diesen Marktplatz können chinesische Händler direkt international an Endverbraucher verkaufen. Der Marktplatz ist auf dem Vormarsch, wird aber noch durch die Einfuhrbestimmungen der europäischen Länder gebremst. Viele Verbraucher sind mit den Zoll- und Lieferbedingungen noch überfordert. Ähnlich wie bei Amazon werden auch auf dieser Plattform KI-Lösungen eingesetzt, die den Käufern nach Bedarf Angebote zuspielen.

China nutzt aber auch bereits in Europa etablierte Online-Plattformen, um Marktanteile zu gewinnen, wie Amazon oder ebay. Auf Amazon machen sie etwa 23 % des Umsatzes der Plattform. Als Wettbewerber in Deutschland wurden sie allerdings aufgrund der hohen Bürokratie und der Einführung der UST-Pflicht im internationalen Online-Handel etwas ausgebremst. Aktuell sind sie vermutlich eher im Niedrigpreissegment und in Massenwaren vertreten.

Territoritale Zerstörungen liegen nicht im Interesse dieser Strategie

Die digitale Eroberung ist eine Fortsetzung der Globalisierung, wie sie die USA oder Europa seit den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg anstreben. China steht im Online-Handel nun an der Spitze. Die digitalen Möglichkeiten werden gnadenlos ausgeschöpft. Eine solche Strategie will keine Territorien erobern und Infrastrukturen zerstören, damit würde man die Käufer lahmlegen.

Der Onlinehandel China braucht Dienstleister und Kaufkraft

Ziel ist es eher, mit Hilfe der KI auf die Bedürfnisse der regionalen Kulturen einzugehen und die Kaufkraft für sich zu gewinnen. Doch wie stark wird es China gelingen, den Rest der Welt in seine Prozesse und Strukturen zu zwingen: Wo wird China produzieren lassen? Wie werden die logistischen Leistungen für Beschaffung und Auslieferung erbracht? Wo sitzen die Entwickler, die die technischen Plattformen betreiben? Werden wir in Zukunft mehr Arbeitskräfte für soziale Dienste und Freizeitangebote frei haben? Die Frage ist doch: Wie kann eine Wirtschaftsmacht Weltmacht werden, ohne die hierfür benötigten Wirtschaften zu zerstören?

Was können wir dagegensetzen?

Natürlich kann es nicht in unseren Interessen sein abzuwarten, wie China Territorien wirtschaftlich vereinnahmt. Daher stellt sich die Frage nach der richtigen Strategie:

Lokalpatriotismus: Diese Strategie fuhr z.B. der Buchhandel, als Amazon als erster Online-Buchhändler in Deutschland in Erscheinung trat. Zusammen mit dem Börsenverein wurden Kampagnen gefahren, um den lokalen Buchhandel zu unterstützen. Plakate forderten Kunden auf, den lokalen Buchhändlern gegenüber dem neuen amerikanischen Online-Händler den Vorzug zu geben. Viele werden sich noch erinnern: Während Amazon stetig wuchs musste ein Buchhändler nach dem anderen seinen Laden schließen. Am Ende siegte die Effizienz.

Autarkie: Lässt man den Wettbewerber draußen dann haben wir keine Probleme? Ein enger Markt fördert Monopolisten und Abhängigkeiten und dämpft die Innovationsfähigkeit. Zudem werden andere Länder vermutlich kaum ihre Rohstoffe verkaufen, wenn nicht auch Produkte über die Grenze gelassen werden. Autarkie kann zur Ausbeute im eigenen Land führen: Iran hat sich aufgrund vieler Embargos in der Lebensmittelversorgung autark aufgestellt. Mitunter aufgrund dessen ist aber der Wasserverbrauch nun höher, als Niederschläge zu verzeichnen sind. Die Strategie droht zu kippen.

Globalisierung: Schon die Römer haben bei ihrer Erfolgsstrategie auf Globalisierung gesetzt: Im Handel mit Gütern, bei der Bereitstellung von spezialisierten Kampfeinheiten und beim Import und Rollout technischer Entwicklungen nutzten sie nicht nur die Fähigkeiten des eigenen Reiches, sondern auch „Trends“ der angrenzenden Reiche.

Das bedeutet: Die Herausforderungen des Online-Handels und der KI annehmen

Der einzige Weg ist es, sich mit den digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und die bereits existierenden Angebote und Chancen zu nutzen. Bei Treffen unter Interim-Managern stellen wir immer noch fest: Viele Unternehmen haben weiterhin große Gaps in der grundlegenden Digitalisierung. Selbst Unternehmen, die im Produktionsbereich bereits hoch modern aufgestellt sind, stehen z.B. im Marketing und Vertrieb bzw. im entsprechenden Datenmanagement noch in der technischen Steinzeit. Wer die Kraft der Daten nutzen will, benötigt jedoch eine digitale Basis. Und noch ein Vorteil bietet der Einsatz der Daten: Sie können Teile des Know-hows von Fachkräften übernehmen, von denen es zu wenig Arbeitskräfte gibt. Damit können die vorhandenen Fachkräfte größere / breitere Arbeitsbereiche übernehmen.

Mit KI können Rückstände aufgeholt werden

Wer mit Blick auf Digitalisierung in Verzug geraten ist, hat nun die Chance direkt auf moderne Lösungen zu setzen. Viele Länder stehen teilweise technisch besser als Deutschland da, weil sie frühere technische Entwicklungen (ungewollt) übersprungen hatten.

KI ist die Lösung, nicht das Ziel

KI kann die Lösung von Problemen sein, muss es aber nicht. Wie immer bei erfolgreich geführten Unternehmen steht am Anfang eine Strategie, aus der Maßnahmen abgeleitet werden.
Sind die Maßnahmen bekannt, dann müssen Lösungen und Umsetzungsmöglichkeiten betrachtet werden. Nicht immer muss es eine KI sein, vielleicht reicht unter Betrachtung des Nutzen-Aufwand-Verhältnisses eine Automatisierung.

Digitalisierung generell braucht ein Systemnetzwerk innerhalb dessen Daten gesammelt, ausgetauscht und kommuniziert werden und in dem Prozesse digital abgebildet werden. Daher lohnt es sich von Anfang an darauf zu achten, eine solche Systemlandschaft als das „big picture“ anzustreben und Stück für Stück darauf hinzuarbeiten.

  • (Teil-) Konzepte für das Datenmanagement erstellen: Welche Daten werden benötigt, wo werden sie erhoben / ausgewertet, was sollen sie anstoßen?
  • Prozesse beschreiben und ableiten, wie sie mit Hilfe von Daten automatisiert werden können. Welche menschliche Arbeit kann darüber hinaus effektiv durch KI ersetzt werden?
  • Welche fertigen Lösungen gibt es bereits, die die Prozesssteuerung unterstützen? Welche Lösungen müssen selbst entwickelt werden?

Fazit: Keine Angst vor KI, sondern diese als Chance verstehen

  • Wer einigermaßen prozessual aufgestellt ist und diese Prozesse verschlanken will, wird sich relativ schnell in die Möglichkeiten der KI einarbeiten können.
  • Nicht von Anfang an die perfekten Ergebnisse erwarten. Auch bei der KI liegt der Teufel im Detail. Wie bei der Suche in Google muss man sich Schritt für Schritt die richtige Konfiguration der KI herantasten und über den Ideal-Prozss nachdenken. Und damit wird auch klar: Je mehr Daten hierfür herangezogen werden können und je klarer der Prozess ist, um so schneller kann eine KI die Arbeit übernehmen.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

Quellen und Literaturhinweise zum Onlinehandel China

Pech, Christoph (16.04.2024): Chinas E-Commerce-Übermacht: USA und der Rest der Welt abgehängt, onlinehaendler-news.de, abgerufen 16.04.2024

Robertz, Victoria (02.12.2023, 08:00): Fast Fashion – Das ist das Erfolgsmodell vom Modeunternehmen Shein, capital.de, abgerufen 16.04.2024

Grupp, Michael (Freier Redakteur in Stuttgart, 03.12.2018): Mit Alibaba in China einkaufen, Beschaffung aktuell, abgerufen 16.04.2024

Prenner, Thomas (15.10.2022): 7 Dinge die man beachten sollte, bevor man bei AliExpress bestellt, Futurezone.at, abgerufen 16.04.2024

Kundenzufriedenheit messen: Tipps für KPI-Auswahl und Datenerhebung

Kundenzufriedenheit messen - KPI Kundenzufriedenheit

(c) Bettina Vier, Digitalisierung + E-Commerce

Einleitung in „Kundenzufriedenheit messen“

Die Messung der Kundenzufriedenheit ist längst kein Geheimtipp mehr, um das Image der Marke und den Absatz der Waren oder Dienstleistungen zu verbessern. Vorausgesetzt, es werden die richtigen Daten erhoben und korrekt interpretiert.

Moderne Software (z.B. CRM-Systeme) und KI (BI-Analysen) unterstützen darin Daten zu sammeln, zu speichern und auszuwerten. Aus den dokumentierten Kundenerfahrungen von Kundenservice, Vertrieb oder Marketing können Analysen gezogen werden, ob ein Kunde eher zufrieden oder unzufrieden ist. Häufige Reklamationen können bspw. vermuten lassen, dass der Kunde eher unzufrieden ist. Kunden, die sich selbst kaum melden, werden häufig gerne als zufriedene Kunden gewertet. Aber ist das wirklich so?

Um mehr Gewissheit zu haben, müssen diese Daten durch direkte Umfragen beim Kunden ergänzt werden. Hierfür haben sich insbesondere die folgenden drei Messgrößen (KPI) etabliert, die in der Regel auf einer Skala von 1-3 oder 1-10 abgefragt werden:

  • Customer Satisfaction Score (CSAT) =Kundenzufriedenheitsmesswert. Er misst die Kundenzufriedenheit für eine Leistung, für eine Gruppe von Leistungen oder für das Unternehmen insgesamt. Je differenzierter er auf einzelne Leistungen erhoben wird, umso differenzierter ist auch das Ergebnis und die abzuleitenden Maßnahmen. Beispiel für die Frage: Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem Zimmer?
  • Net Promoter Score (NPS) = Messwert für die Bereitschaft, eine Leistung weiterzuempfehlen; auch dieser Messwert kann sich auf einzelne Leistungen oder eine Gruppe beziehen. Er zeigt das emotionale Erlebnis des Kunden. Ein niedriger NPS-Wert sagt aber nichts über die Zufriedenheit des Kunden aus. Denn auch wenn der Kunde hoch zufrieden ist, kann es sein, dass er generell nicht gerne Leistungen oder Produkte weiterempfiehlt. Beispiel für die Frage: Empfehlen Sie unser Hotel weiter?
  • Customer Effort Score (CES) = Messwert für den Aufwand eines Kunden, um die Leistung zu erhalten. Ein hoher Wert bedeutet, dass der Kunde es anstrengend findet, die Leistung zu bekommen. Beispiel für eine Frage: War die Bedienung des Schlüsseltresors für Sie einfach oder gab es Probleme?

Erst alle drei Messwerte zusammen, ergeben ein transparentes Bild darüber, wie zufrieden ein Kunde mit der Leistung oder einem Produkt ist. Daher ist es wichtig, sich genau zu überlegen, wie man bei der Erhebung vorgeht. (Tipp: Weitere KPIs finden Sie im Download)

Kundenzufriedenheit messen - Überblick der gängisten KPIs

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1. Zielsetzung: Welche konkreten Erkenntnisse soll die Datenerhebung bringen? Warum ist die Erkenntnis wichtig?

In vielen Fällen wird direkt der NPS erhoben, ein Vorgehen, das ich nicht empfehle (es sei denn, es liegen bereits aussagefähige Daten vor). Der Net Promoter Score (NPS) wird als der wichtigste Indikator gesehen, weil ein Kunde, der eine Leistung weiterempfiehlt, ein sehr zufriedener Kunde „sein muss“. Ein solcher Kunde ist häufig auch ein Bestandskunde.

Das mag bei einem hohen NPS auch stimmen. Aber wie interpretiert man einen niedrigen Wert? Ist der Kunde unzufrieden oder will er einfach  nur keine Empfehlung aussprechen oder kann er es sich nicht vorstellen? Zudem empfinden viele Kunden die Frage nach der Weiterempfehlung als sehr direkt und unangenehm. Vielleicht braucht die Kundin noch mehr Erfahrung mit dem Unternehmen. Daher könnte es taktisch besser sein zunächst den CSAT oder CES zu erheben.

Bewerten Sie das folgende Hotelbeispiel selbst:

Stellen Sie sich vor Sie haben in einem Hotel übernachtet und sind unzufrieden. Die ganze Nacht war der Aufzug zu hören und aus der Dusche kamen nur Tropfen. Nun kommen Sie etwas verstimmt an die Rezeption und der Mitarbeiter spricht sie an: „Guten Morgen. Ich hoffe sie haben gut geschlafen. Empfehlen Sie uns weiter?“ Wie reagieren Sie darauf? Und wie trägt das zu ihrer Stimmung bei? Dabei hat der Rezeptionist nichts anderes gemacht als den NPS abgefragt.

Alternativ hätte der Rezeptionist Sie auch wie folgt ansprechen können: “Guten Morgen. Wie haben Sie geschlafen? Sind sie zufrieden mit dem Zimmer?“ Damit erhebt er den Customer Satisfaction Score in Bezug auf die Leistung „Zimmer“. Diese Frage gibt Ihnen als Kunde die Möglichkeit Ihre Kritikpunkte vorzutragen. Der Rezeptionist kann nun seinerseits reagieren und die Mängel beheben. Er weiß aber auch aus Erfahrung, dass ein unzufriedener Kunde mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Weiterempfehlung aussprechen wird. Die Frage nach der Weiterempfehlung verkneift er sich daher. Der Rezeptionist lässt dem Kunden Zeit das Gesamtangebot des Hotels vom Frühstück, über den Fitnessraum bis hin zur Bar kennenzulernen. Mit jeder Leistung, die der Kunde als positiv erlebt, wird der Kunde insgesamt zufriedener. Erst am Ende des Aufenthalts, wenn der Rezeptionist selbst überzeugt ist, dass das Hotel dem Kunden einen guten Service geboten hat, kann er den Kunden zum NPS befragen: Empfehlen Sie uns weiter?

Erkenntnisse aus dem Beispiel:

Kundenzufriedenheit messen bedeutet Feedback über die konkreten Gründe der Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit einzuholen. Über den NPS gelingt dies nur indirekt und umständlich, da der Kunde zweierlei erklären muss: 1. warum er nicht bereit ist eine Weiterempfehlung auszusprechen, und 2. warum er unzufrieden ist. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert den NPS in mindestens zwei Schritten anzugehen. Erster Schritt: Messung des CSAT. Zweiter Schritt: Messung des NPS.

Der Zusatznutzen des NPS besteht nun darin, dass die Frage der Zufriedenheit/Unzufriedenheit geklärt ist und eine Verneinung der Weiterempfehlung gedeutet und besser hinterfragt werden kann. Im Hotelbeispiel gibt es dem Rezeptionist als Interviewer eine weitere Möglichkeit: Ist der Kunde zufrieden, will aber nicht weiterempfehlen kann er ihn direkt fragen, was das Hotel verbessern kann, damit er es weiterempfiehlt.

2. Kundenzufriedenheit messen: Welches ist das richtige Medium für die Datenerhebung?

Jeder kennt die drei Knöpfe am Ausgang eines stationären Handels in grün, gelb und rot. In der Regel wird hierüber die Kundenzufriedenheit gemessen: Wie zufrieden waren Sie mit unserem Service?

Auch eine Umfrage auf eine Website zu stellen ist in der Regel technisch einfach. Ergänzt werden die Daten durch Messungen auf der Website: Im Idealfall wird gemessen, welche Seiten ein User besuchte und wie er im Anschluss in der Umfrage abstimmte. Ein solcher Klickpfad gibt konkrete Erkenntnisse darüber, welche Online-Leistungen der Kunde in Anspruch genommen hatte. Mit KI lässt sich nun vergleichen, ob ein bestimmter Klickpfad mehr Unzufriedenheit erzeugt als andere.

Wer darüber hinaus noch mehr Informationen vom Kunden haben möchte, kann in der Umfrage dem CSAT, NPS oder CES noch eine bis zwei weitere Fragen hinzufügen. Diese müssen einfach beantwortet werden können (Ja /Nein, Skala). Allerdings ist zu berücksichtigen, dass jede zusätzliche Frage die Absprungrate erhöht. Ist der Kunde in seinem Account eingeloggt, dann können diese Daten aus seinem Profil ausgelesen und ergänzt werden – immer anonym versteht sich.

Aber nicht immer soll ein Online-Auftritt bewertet werden, denn der Kunde hat in der Regel mehrere Kontaktpunkte zu einem Unternehmen. Kundenzufriedenheit muss an jedem Kontaktpunkt gemessen werden: Die Bereitstellung von Unterlagen, die Lösung einer Reklamation, der Besuch durch einen Vertriebsmitarbeiter u.ä. Je nach Kontaktpunkt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Kunden um ein Feedback zu bitten.

Mögliche Medien sind:

  • via App
  • Interview
  • Online-Umfrage (direkt nach dem Online-Prozess, per Link in einer E-Mail, per QR-Code in einem Flyer)
  • Touchscreen, an dem der Kunde selbst die Umfrage ausfüllt
  • Telefonische Umfrage
  • postalischer Brief mit QR-Code

Beispiel Hotel:

  • Interview durch den Rezeptionisten: Er befragt den Kunden beim Check-out und erfasst die Antworten in einem Online-Formular direkt an der Rezeption.
  • Der Rezeptionist bittet den Kunden seine Bewertung selbst auf einem Tablet einzugeben.
  • Der Rezeptionist weist auf ein Schild mit einem QR-Code hin, mit der Bitte, ein Feedback abzugeben.
  • Der Kunde bekommt nach seinem Aufenthalt eine E-Mail, in der er gebeten wird, online eine Bewertung abzugeben.

Goldene Regel: Weniger ist mehr

  • Im Vorfeld immer genau überlegen, welche konkrete Leistung in Verbindung mit dem Kontaktpunkt bewertet werden soll. Die Fragen auf ein Minimum begrenzen. Je konkreter die Frage, umso konkreter das Feedback.
  • Den Kunden nicht bei jeder Leistung, die er in Anspruch, nimmt befragen. Stellen Sie sich vor, sie werden im Hotel an der Rezeption, im Frühstücksraum, bei der Wellness und an der Bar jedes Mal gefragt, ob sie mit der jeweiligen Leistung zufrieden sind. Mich würde das nerven.
  • Je anstrengender der Kunde es empfindet seine Bewertung abgeben zu können, umso weniger Rückmeldungen sind zu erwarten. So lehnen alte Menschen vermutlich die Nutzung von QR-Codes ab und tippen lieber auf einen Touchscreen, während jüngere Menschen beide Medien gleich bewerten.

Eine Umfrage sollte immer als Ergänzung zum vorhandenen Wissen über ein Kunde gesehen werden. Wird ein Kunde über etwas gefragt, was bereits in der Datenbank vorliegt, dann wirft das ein schlechtes Bild auf ein Unternehmen. Daher ist der nächste Punkt sehr wichtig:

3. Welche Daten liegen bereits vor?

Je bekannter eine Marke ist und je positiver diese behaftet ist, umso größer ist in der Regel die Bereitschaft der Kunden auf Umfragen zu antworten. Aber diese Bereitschaft sinkt,

  • wenn die Umfragen zu oft kommen.
  • wenn Fragen gestellt werden, die bereits beantwortet wurden.
  • wenn der Kunde das Gefühl hat, dass im Unternehmen die rechte Hand nicht weiß, was die Linke tut.

In solchen Fällen hat die Datenerhebung mitunter sogar eine negative Wirkung auf das Image eines Unternehmens!

Es ist daher wichtig, dass Klarheit darüber besteht

  • wer welche Daten wie erhebt,
  • wie und wo sie gepflegt werden,
  • wie diese Daten ausgewertet werden und
  • welche zusätzlichen Informationen benötigt werden, um das Ergebnis der Datenauswertung zu schärfen.

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, sollte eine Umfrage aufgesetzt werden. Daher empfiehlt es sich generell einen Verantwortlichen für die Aufgabe „Kundenzufriedenheit messen“ zu bestimmen. So kann diese Mitarbeiterin am besten den Überblick behalten und mit den Kollegen das Vorgehen abstimmen.

Beispiel Hotel

Wenn der Rezeptionist bei der Öffnung der Buchung sieht, dass der Kunde bereits bei seinem letzten Aufenthalt vor einer Woche nach seiner Zufriedenheit zum Zimmer gefragt wurde, dann sollte er dies nicht erneut machen. Stellt er aber fest, dass der Kunde beim jetzigen Aufenthalt im Wellnessbereich war, dann kann er ihn nach der Zufriedenheit zu dieser Leistung befragen: „Ich sehe sie waren bei Marion in der Massage. War alles zu Ihrer Zufriedenheit?“

4. Wer soll die Daten nutzen?

Während die Datenerhebung in der Regel in den Bereichen erfolgt, in denen direkter Kontakt zu den Kunden besteht, kann der Nutzen des Kundenwissens an anderer Stelle zu Tage treten.

Ist ein Kunde z.B. unzufrieden, weil dem Customer Service bestimmte Informationen nicht vorliegen, dann liegt das wahrscheinlich nicht am Customer Service selbst. Unter Umständen haben Vertrieb, Logistik oder die Buchhaltung versäumt, entsprechende Daten im System zu hinterlegen.

Die Beispiele des Customer Service und zum Hotel (s. Punkt 3) zeigen, wie wichtig es ist, dass Daten nicht nur zentral gepflegt werden, sondern auch dort zur Verfügung stehen, wo sie die Arbeit eines Mitarbeiters unterstützen können. Das ist die Basis für ein hohe Kundenzufriedenheit.

Daher ist es erforderlich,

  • Daten zentral zu verwalten und zu analysieren
  • eine Datenstrategie zu erstellen, über die die Erfassung und Nutzung der Daten geregelt wird. Sie beschreibt nicht nur wer, wie und wo, sondern bewertet auch, welche Daten einen konkreten Nutzen stiften.

5. Welches Wissen benötigen die Mitarbeiter?

Im Grunde sollte jeder Mitarbeiter erlernen, welche Daten ihm Vorteile bringen können. Welches Wissen über den Kunden kann seine Leistung verbessern.

Spezifisches Wissen wie Daten ausgewertet werden, benötigt ggf. eine Ausbildung, in der Grundkenntnisse der Statistik und Marktforschung vermittelt werden. Auch muss der Mitarbeiter die Fähigkeit haben, KPIs und Erhebungsmethoden objektiv einzusetzen. Wer sich durch die Umfrage Vorteile erhofft, wird (unbewusst / bewusst) geneigt sein, die Umfrage so zu gestalten, dass sie das erwünschte Ergebnis liefert

Haben sie noch Fragen?

Gerne können wir uns in Form eines Workshops dem Thema widmen. Zudem unterstütze ich sie auch gerne darin eine Datenstrategie zu erstellen.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

So finden Sie die richtige Online-Marktplatz-Strategie

Online-Marktplatz-Strategie

(c) Bettina Vier, Digitalisierung + E-Commerce

Online-Marktplätze sind gerade für Newcomer eine attraktive Möglichkeit, schnell die Ware am Markt zu platzieren. Für erfahrene Händler mit vorhandenen stationären Handel oder eines Online-Shops erhöhen Marktplätze den Kreis potenzieller Kunden.

Zudem hört sich diese Variante auch verlockend an: Ohne Investitionen in einen eigenen Shop und den erforderlichen Werbeaktionen können die Daten einfach auf eine vorhandene Plattform geschoben werden.

Aber ist es wirklich so einfach?

Große Auswahl an Online-Marktplätzen

Allein in Europa gibt es über 50 nennenswerte Marktplätze. Es lohnt sich hier genauer hinzusehen und Alternativen zu vergleichen:

  • Welcher Online-Marktplatz erreicht die gewünschte Zielgruppe (Branche, Konsumententypen, B2C, B2B etc.)?
  • Welche Wettbewerber sind bereits mit welchen Produkten vertreten und welche Preise bieten sie an?
  • Welche der eigenen Produkte eigenen sich für die Plattform? Und sollen oder müssen Produkt-Konfiguratoren eingebunden werden?
  • Welche Marketing-Aktivitäten müssen getätigt werden, um in der Listung auf der Plattform weit oben zu rangieren?
  • Welches Geschäftsmodell verfolgt der Online-Marktplatz? Amazon ist selbst Anbieter und richtet sein Sortiment nach dem aus, was sich am besten verkauft. Otto bspw. gibt die Kundendaten nicht an den Händler weiter – dadurch wird der Händler zum Lieferanten, der seine Ware bei Otto einliefern und auf dessen Plattform bewerben muss.
  • Wie groß ist die Abhängigkeit vom Marktplatz (z.B. Logistik, Vorgaben des Marktplatzes)?
  • Lässt sich der potenzielle Umsatz auf dem Marktplatz realistisch schätzen?

Der Marktplatzbetreiber ist auch Wettbewerber

Nicht selten tritt der Marktplatzbetreiber selbst als Hersteller mit eigenen Produkten auf. Dabei ist er als Wettbewerber deutlich in Vorteil. Er kennt die Tops und Flops des eigenen Marktplatzes am besten und kann sofort bei neuen Trends mit passenden Produkten reagieren. Diese Informationen kann der Marktplatzteilnehmer nur bedingt über die eigenen Analysen herauslesen und wird nur mit einem Timelag reagieren können. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Risiken und Chancen von Online-Marktplätzen abzuwägen.

Die Risiken eines Online-Marktplatzes abwägen

Zur Risikoabwägung gehört auch die Logistik. Hier haben sich zwei Varianten etabliert: Entweder die eigene Logistikinfrastruktur übernimmt die Auslieferung und das Retourenmanagement oder man nutzt den Marktplatz als Fulfillment-Dienstleister und lagert die Ware dort ein. Gerade die ersten Wochen in Zeiten von Corona haben jedoch gezeigt, dass der Fulfillment-Dienstleister „Marktplatz“,  wie z.B. Amazon, einseitig die Auslieferung priorisieren kann. Ich war selbst betroffen, denn das Buch „Digital Insights“, an dem ich Mitautorin bin und das zur Leipziger Buchmesse angekündigt werden sollte, bekam nach dem Ausfall der Messe einen weiteren Dämpfer: Aufgrund von Engpässen stoppte Amazon die Auslieferung von nicht lebensnotwendigen Gütern. So hatten Hygieneartikel Vorrang vor Bücher. Ein Unternehmen, muss daher einen Notfallplan in der Tasche haben. In meinem Fall übernahm der Verlag selbst den Versand. Was in dieser Größenordnung kein Problem war und auch aus dem Wohnzimmer heraus organisiert werden konnte.

Die Technische Anbindung an den Online-Marktplatz

Die technische Anbindung an einen Online-Marktplatz sollte in jeden Fall im Vorfeld analysiert und das Vorgehen geplant werden:

Qualitative Produktdaten:

  • Manche Marktplätze haben konkrete Ansprüche an die Produktdaten (Datenstruktur), die erfüllt sein müssen, damit man sein Produkt auf dem Marktplatz anbieten kann.
  • Zuordnung zu den richtigen Kategorien des Marktplatzes
  • Wettbewerbsfähige Bilder und Produktnamen
  • Aussagekräftige Produktbeschreibungen, die alle Fragen der Kunden beantworten
  • Verfügbare Mengen
  • Gesetzlich vorgegebene Nachweise, z.B. Zertifizierungsstempel, Inhaltsstoffe
  • Wie werden auf dem Marktplatz Varianten und Serien abgebildet?
  • Können Produktkonfiguratoren eingebunden werden? Welche Alternativen gibt es?

Kundendatenmanagement

  • Liegen Einschränkungen von Zahlungsmethoden bei einzelnen Kunden vor?
  • Gibt es Blacklist mit Kunden, an die man aufgrund vergangener Erfahrung nicht verkaufen möchte?
  • Muss ein personalisierter Produktkonfigurator eingebunden werden?
  • Wie kann zwischen privaten und gewerblichen Kunden unterschieden werden?

Bestelldatenmanagement

  • Wie werden die Bestellungen auf dem Marktplatz abgewickelt? Passt der eigene Prozess oder müssen Anpassungen vorgenommen werden?
  • Wer übernimmt Reklamationen oder Retourenmanagement?
  • Wie werden Zahlungsinformationen abgerufen und in das eigene System überführt? Wie können Zahlungseingänge den Bestellungen zugeordnet werden?
  • Wer übernimmt das Mahnverfahren bei ausbleibender Zahlung?

TIPP:

Wenn mehrere Marktplätze angebunden werden sollen, dann kann sich ein zwischengelagertes System lohnen, das die Schnittstellen bündelt. Bekannte Systeme in diesem Umfeld sind z.B. ChannelPilot oder Fis. Man liefert seine Daten an diese Systeme und von dort werden sie entsprechend der Konfiguration auf andere Plattformen verteilt. Auch der Weg von der Plattform zurück zum eigenen System kann hierüber erfolgen. Alternativ können bereits vorgefertigte Standardschnittstellen des eigenen PIMs oder ERP-Systems genutzt werden.

Ohne Marketing geht auch auf dem Online-Marktplatz nix

Ist die technische Anbindung an den Marktplatz erfolgt, beginnt die Arbeit des Verkaufs. Hier bieten die Marktplätze unterschiedliche Tools für Kampagnen, Angebote, Anzeigen, automatisierte Preisanpassungen, Keywords etc. an. Es braucht einige Erfahrung mit der jeweiligen Plattform, um diese Tools gewinnbringend einzusetzen zu können. Auf Basis der Analysetools der Plattformen müssen nun Produktsortiment, Produktdarstellungen und Preise, sowie die Schaltung von Kampagnen erprobt und ausgewertet werden. Während man am Anfang externe Agenturen damit beauftragen kann, empfehle ich, auch einen eigenen Experten im Hause zu beschäftigen. Denn alle Erkenntnisse müssen mit Produktentwicklung, Vertrieb, Marketing oder auch Kundenservice und Logistik diskutiert und abgestimmt werden.

Fazit: Die Marktplatz-Strategie ist Bestandteil einer Unternehmensstrategie – vertrieblich, digital und Produkt bezogen

Ob die Anbindung an einen Online-Marktplatz einfach und schnell geht? Entscheidend ist, wie digital das Unternehmen heute schon aufgestellt ist und welche Anpassungen an den Systemen und dem Know-how der Mitarbeiter erforderlich sind. Auf jeden Fall darf der Aufwand nicht unterschätzt werden.

Die Frage eigener Shop oder Marktplatz lässt sich nicht allgemein beantworten. Standardprodukte stehen immer im starken Wettbewerb und unterscheiden sich nicht wesentlich. Hier könnte sich der Einstieg lohnen, da die Kunden die Präsenz ihrer Lieblings-Marke auf dem Marktplatz erwarten. Bei Produkten mit Besonderheiten, die den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bieten, gibt man dem Wettbewerb auf dem Marktplatz u.U. zu viel des eigenen Produkts preis. Hier lohnt sich ggf. ein eigener Exklusiv-Shop mit intensiven Online-Marketing-Aktivitäten.

Der Einstieg in den Online-Verkauf über einen Marktplatz hat aber auch Vorteile: Nach der Aufbereitung der eigenen Daten für den Verkauf, kann die Anbindung schneller erfolgen als der Aufbau eines Shops. Gleichzeitig wird mit dem aufbereiteten Datenmaterial eine wichtige technische Grundlage für den digitalen Vertrieb, das digitale Marketing und einen eigenen Online-Shop gelegt. Zudem werden erste Erfahrungen mit dem Online-Verkauf und dem Online-Marketing gesammelt, die für den Aufbau eines eigenen Shops von hohem Wert sind.

Der Nachteil besteht wie schon beschrieben darin, dass der Online-Marktplatz wichtige Informationen über das eigene Sortiment bekommt und Abhängigkeiten entstehen. Daher ist gerade bei sehr aufwendigen Produkten zu überlegen, ob man dieses Wissen auf diese Weise preisgeben möchte.

Meine Beratungsleistung für Sie

Ich führe gerne Workshops und Analysen für Sie durch, um mit Ihnen Ihren Status-Quo zu erheben. Hierauf aufbauend können wir dann die Möglichkeiten zur Anbindung an einen Marktplatz sowie die erforderlichen Maßnahmen ableiten. Auch in der anschließenden Umsetzung stehe ich Ihnen gerne als externe Projektleiterin zur Verfügung.

Linktipps

Hier finden Sie einen Überblick über die Marktplätze in Deutschland und Europa:

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

Start-up-Szene: Add-ons als Turbo-Spritzen für die Digitalisierung

Start-up-Szene: Add-ons als Turbo-Spritze für die Digitalisierung

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Die Start-up-Szene

Ein Blick in die Start-up-Szene lohnt sich, wenn man in der Digitalisierung schnell vorankommen möchte. Die meisten Gründer haben sich auf die Lösung eines spezifischen Problems spezialisiert oder entwerfen ein Businessmodell vollständig neu. My Müsli, Uber oder Flixbus sind beliebte Beispiele, um zu zeigen, wie Neulinge eine Branche aufmischen.

Aber es muss nicht zwingend ein neues Geschäftsmodell sein. Viele Entwicklungen von Start-ups können als Add-on an die eigene Systemlandschaft angedockt werden. Das Portal fuer-gruender.de benennt jedes Jahr die Top 50 Start-ups. 2019 konnte in dieser Liste beispielsweise ein Tool zum Zählen von Schweinen gefunden werden (Corvitac). Eine KI-Lösung von Mediair soll Radiologen beim Erstellen eines Befunds unterstützen. Und auf StartupValley.news finden sich Gründer aus der FinTech-Ecke, z. B. das Produkt Payhawk für das Management von Kosten und Spesen des Außendienstes in Echtzeit. Diese Lösungen ersetzen keinen vollständigen Prozess, können ihn aber qualitativ verbessern.

Add-ons als Turbo-Spritze

In einer Digitalstrategie dürfen solche digitalen Bausteine nicht fehlen. Sie helfen einfache Tätigkeiten zu digitalisieren, Prozesse qualitativ zu verbessern oder das Kundenerlebnis neu zu definieren. So werden beispielsweise mit dem Bannergenerator des Start-ups Averycore auf Basis definierter Kundengruppen (z. B. aus einem CRM) unterschiedliche Banner für verschiedene Displays ausgespielt. Das System spielt eigene Daten dazu und erkennt, wo sich der Kunde gerade aufhält. Befindet er sich in einem Regengebiet, dann wird ihm im Banner ein Regenmantel präsentiert. Ein anderer Kunde, bei dem gerade die Sonne scheint und das Thermometer 25 Grad Celsius anzeigt, bekommt zur gleichen Zeit im Banner ein luftiges Oberhemd vorgeschlagen. Die Stärke der eigenen Daten über Produkte und Kunden erhält durch solche Tools eine Turbo-Spritze.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

E-Commerce-Shop: Onliner und Offliner in der Corona-Krise

Interim Manager für E Commerce Shop

(c) sebra – stock.adobe.com #214337998

Die Corona-Krise als Motivator für den E-Commerce-Shop

Ausgangssperren, Abstand halten, (temporäre) Schließung des stationären Handels und der Gastronomie – die Corona-Pandemie stellte die stationäre Wirtschaft vor enormen Herausforderungen.

Der Druck, sein Geschäft ins Internet zu verlegen war genauso groß wie der Druck der Betriebe Möglichkeiten des Home-Office zur Verfügung zu stellen. Umgekehrt befassten sich Mitarbeiter und Kunden nun, diese „neue“ digitalen Services auszuprobieren und in ihren Alltag zu integrieren.

Mit viel Pragmatismus und Engagement gelang einigen dieser Schritt, den sie ohne den Druck von außen noch lange aufgeschoben hätten. Nicht alle haben den Essen-Abholservice auch nach Corona beibehalten, wie mancher Einzelhändler sich nach Corona wieder auf seinen stationären Verkauf konzentrierte. Sicherlich funktionieren nicht alle neuen Geschäftsmodelle, weil der Markt sie nicht nachfragt. Und sicherlich wurden und werden auch Fehler gemacht, weshalb das neue Modell nicht zum Laufen kommt.

In einem Fachbeitrag für „Interim Profis“ habe ich einen Überblick gegeben, welche Veränderungen während der Corona-Krise im Online-Handel zu beobachten waren:

  • Onliner werden professioneller
  • Qualität der Produkt- und Kundendaten
  • Qualität des Kundenservices
  • Umstellungen und Optimierungen in der Logistik
  • Neue Herausforderungen im Online-Marketing
  • Offliner werden zu Onliner

Diese Veränderungen lösen zwangsläufig weitere digitale Anpassungsbedarfe aus, die darüber entscheiden, ob ein Unternehmer den Weg weiterverfolgt oder abspringt. Je tiefer man in die Thematik eintaucht umso bewusster wird es, welche Investitionen an Geld, Zeit und Weiterbildung und auch an Personal getätigt werden muss, um das neue Business zum Laufen zu bringen. Der Weg ins Internet fühlt sich für viele wie eine Gründung eines neuen Unternehmens an – und liegen damit meist richtig.

Der Schritt in die digitale Welt fördert auch den „Alt-Betrieb“, denn die Erfahrung mit neuer Technik hilft auch die Abläufe im bisherigen Geschäft zu überdenken und zu verbessern. Die Bereitschaft, sich weiter digital zu verändern dürfte größer geworden sein.

Die Corona-Krise als Innovator

Ein Blick auf die Automobilbranche zeigt was denkbar ist: Da die Industrie über 3-D-Drucker verfügt und die Produktion digital umgestellt werden kann gab es Ideen auf ein ganz neues Produkt umzusteigen. Statt Autos sollten Geräteteile für Beatmungsgeräte produziert werden. Unternehmen wie McLaren, Mercedes-AMG und Williams starteten für UK Versuchsreihen.

Automobil-Zulieferer wie DFA und Zettl stiegen von der Produktion von Dämmstoffen und Sitzbezügen auf die Herstellung von Atemschutzmasken um.

Diese Beispiele zeigen, wie mit vorhandenen Mitteln bei Bedarf auch ganz neue Märkte erschlossen werden können.

Wer ist „Interim Profis“?

„Interim Profis“ ist ein Provider bzw. eine Personalagentur die Interim Manager und Unternehmen zusammenbringen. Interim Manager sind freiberufliche Führungskräfte, die Vakanzen interimistisch ausfüllen oder Projekte zur Veränderung (Change, Organisationsentwicklung etc.), für die digitale Transformation oder zur Umsetzung bereichsspezifischer Themen temporär zur Verfügung stehen. Der Provider verfügt über ein weitläufiges Netzwerk an Interim Provider und ist in der Lage für Ihr Unternehmen die passenden Partner zu finden.

Hier können Sie meinen Fachbeitrag auf der Seite der „Interim Profis“ lesen: Online-Prozesse wie der E-Commerce profitieren von der Corona-Krise

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