Digitale Transformation lässt sich aufgrund der Vielzahl an Wirkungsfeldern kaum umfassend darstellen. Lesen Sie hier Spots auf verschiedene Themen die der Inspiration dienen, aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit haben.

Ihre Kundenstrategie bestimmt das CRM-System

– und damit Ihre Chance für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.

Ihre Kundenstrategie bestimmt das CRM-System

(c) Bettina Vier, Digitalisierung + E-Commerce

Erst Kundenstrategie definieren, dann das CRM-System wählen

Obwohl viele Unternehmer bereits wissen, dass ein Customer-Relationship-Management (CRM) signifikant die Kundenorientierung und Conversion Rate verbessert, werden weiterhin Exceltabellen „gewälzt“ und auf smarte Prozesse und Automation verzichtet.

Was sind die Gründe für Verzögerungen und für gescheiterte CRM-Projekte?

Fehlende strategische Grundlage

Die Einführung eines CRM-Systems wird als IT-Projekt und nicht als strategische Managementaufgabe gesehen. Und genau deswegen bleiben die Projekte bereits in den Startlöchern stecken. Oft fehlen klare Strategien im Vertrieb, Marketing und Service – wichtige Grundlagen um Ziele, Verzahnung und Prozesse klar definieren zu können. Und wichtige Voraussetzung, um den Bedarf des Unternehmens im CRM-System abbilden zu können.

Fehlendes fachliches Know-how

Die Einführung eines CRM-Systems muss sorgfältig vorbereitet werden, mit Kenntnissen in Businessanalysen, Prozessverständnis, Datenverständnis, Change-Management und Projektmanagement.

Nach einer erfolgreichen Implementierung muss das System durch einen System-Owner weitergepflegt und weiterentwickelt werden, mit Einwirkung und Berücksichtigung auf die Kundenstrategie. Diese Aufgabe ist nicht im Nebenjob zu leisten und braucht die oben aufgeführten Kompetenzen und die Bereitschaft sich in das Backend des Systems einzuarbeiten.

Fehlende Integration in die Organisation

Das System wird eingeführt, aber nicht in die Organisation integriert, d.h. Zuständigkeiten und die Organisation für Abstimmungen im Rahmen von Änderungen werden nicht geregelt, Mitarbeiter nicht in das System eingeführt u.ä.

Die Folge: Das System entwickelt sich zu einem Investitionsgrab mit laufenden Kosten (z.B. Lizenzen) und ohne Nutzen. Oft wird das Projekt als gescheitert betrachtet, aber eigentlich wurde das Projekt nicht vollständig zu Ende gebracht.

Integration in das Unternehmen bedeutet, das klare Zuständigkeiten und Erwartungen zur Nutzung des Tools von der Geschäftsleitung vorgegeben werden. Zudem müssen Zugpferde geschaffen werden, die die Nutzung des Systems ein Stück weit erzwingen, z.B. indem die Geschäftsleitung den Anspruch erhebt, in Zukunft die Reports aus dem System ziehen zu wollen.

Angst vor Transparenz

Mitarbeiter haben Angst, dass über das Tool die Arbeit kontrolliert werden soll. Das lässt sich nicht von der Hand weisen und ist theoretisch auch möglich. Daher muss sichergestellt werden, dass die Datenschutzverordnung und Vorgaben des Betriebsrates eingehalten werden.

Transparenz bedeutet aber auch, die eigene Arbeit besser bewerten zu können: Welche Aktivitäten waren am erfolgreichsten und lohnen wiederholt zu werden? So kann jeder Mitarbeiter im Vertrieb, Marketing oder Service aktiv seine Arbeit und damit seinen Anteil am Erfolg selbst managen.

Kundenkontakte werden nicht gerne geteilt

Gerade im Vertrieb besteht häufig ein „Eigentumsanspruch“ auf die vom Vertriebsmitarbeiter gepflegten Adressen und Kontakte. Dabei wird häufig vergessen, dass aber auch Marketing bereits über Aktionen und Brandmarketing Vorarbeiten geleistet hat und dass der Service ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Zufriedenheit der Kunden liefert.

Es wird Zeit sich als Team zu verstehen, in dem jeder seinen Anteil an der Bedienung des Kunden trägt. Nur so kann eine Customer Journey sinnvoll aufgestellt und bereichsübergreifend mit Aktivitäten begleitet werden, die teil- oder vollautomatisiert über das CRM gesteuert werden.

„Never Change a Running System“: Diese Einstellung behindert Veränderungen

Der Umgang mit den eigenen Excellisten sind zur Routine geworden und geben Sicherheit, seine Arbeit und die Risiken zu beherrschen.

Ein neues System verunsichert: Wer sieht jetzt was ich mache? Was passiert mit meinen Daten, wenn mehrere Kollegen daran arbeiten? Wofür bin ich in Zukunft zuständig? Werde ich das System bedienen können? Diese Unsicherheiten müssen mit Hilfe eines Change-Managers abgebaut und das Verständnis für Chancen aufgebaut werden.

Ein Unternehmen, dass sich der Verhinderungsstrategie der Mitarbeiter beugt, wird sich nicht weiterentwickeln. Wer es schafft, seine Mitarbeiter auf die nächste Ebene zu heben, wird erstaunt sein, dass diese plötzlich die Arbeit mit dem System als positiv sehen. Denken Sie an die Einführung von Teams während der Corona-Zeit: Mit welchem Aufwand mussten sich Mitarbeiter in diese neue Kommunikationstechnik einfinden – nicht nur fachlich, sondern auch mit vielen technischen Fragen. Es war anstrengend, aber die Notwendigkeit aufgrund der Ausnahmesituation verstand jeder. Das war ein Quantensprung, der vielen Unternehmen neu Möglichkeiten mit Blick auf mobiles und kollaborativem Arbeiten ermöglichte.

Prozess- und Datenprobleme

Wie schon oben beschrieben müssen Prozesse im Vertrieb, Marketing und Service klar definiert sein, damit entsprechende Workflows im System hinterlegt werden können.

Zudem wird eine Datenstrategie benötigt: Welche Daten werden benötigt, um Kunden zu bewerten, Prozesse und Entscheidungsregeln abzubilden und Reports ziehen zu können? Wer soll für Welche Daten zuständig sein und für deren Qualität Sorge traten? Wie können Daten mit externen Informationen angereichert werden?

Stattdessen praktiziert im schlimmsten Fall jeder in seiner Excel eine eigene Datenstrategie unter Nutzung verschiedener Funktionen. Arbeiten werden an verschiedenen Stellen doppelt gemacht, Synergien werden nicht genutzt. Zudem liegen die Daten in verschiedenen Systemen (Excel, Outlook, ERP, Köpfe) vor und müssen synchronisiert werden – was häufig nur lückenhaft gelingt.

Die Einführung eines CRM-System benötigt aber eine Datenstrategie, die z.B. den Umfang der Informationen über einen Kunden vorgibt und Möglichkeiten bietet, Kunden nach Werten zu clustern. Das CRM muss in Zukunft das einzige System sein, in dem sich alle Informationen zu Kunden bündeln.

Komplexität in der IT-Integration wird unterschätzt oder behindert die Entscheidung für die Umsetzung

Ein CRM-System einzuführen, bedeutet viele Daten aus unterschiedlichen Quellen in das System zu migrieren, Kategorien festzulegen, Workflows zu hinterlegen und regelmäßige Synchronisationsläufe mit anderen Systemen (z.B. ERP, Marketingtools) sicherzustellen. Ergänzend kommen Berechtigungskonzepte und Maßnahmen für technische Sicherheitskonzepte dazu. Ein Projektmanager muss diese Komplexität überblicken und sich einbringen, damit Fragen schnell geklärt werden. Schon diese Beispiele zeigen: Wenn ein CRM-Projekt nur als Nebenjob betrieben wird, ist das Scheitern quasi vorprogrammiert.

 

Erfahren Sie mehr über die Leistung eines CRM-Systems

Leistungsfähigkeit eines CRM-Systems

Download Leistungsfähigkeit eines CRM-Systems (PDF)

Download Checkliste CRM-System (Excel)

 

 

 

 

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

KI-Modell vs. KI-System – EXKURS

Artificial-Intelligence - Icons / Künstliche Intelligenz

(c) MAHAMMAD – Adobe Stock

KI-Modell

KI-Modell

(c) Bettina Vier, Digitalisierung + E-Commerce

= eine KI basierte Komponente („Rechenkern“), die eine konkrete Aufgabe umsetzt, z.B.

  • das Programmieren von Code in einer spezifischen Sprache,
  • automatisierte Klassifizierung / Kategorisierung von Daten,
  • Vorhersage zu einer konkreten Fragestellung,
  • Mustererkennung.

Aber: keine Interaktion mit dem Nutzer

 

  • Das Modell liefert die Intelligenz. Es ist vergleichbar mit einem hochintelligenten, spezialisierten Experten. Dahinter verbirgt sich eine statistische Funktion (z.B. Entscheidungsbaum) oder ein neuronales Netz.
  • Das Modell muss mit Daten trainiert werden, damit es nützlichen Output liefert.
  • Das Modell selbst ist oft eine „Black Box“, d.h. die Entscheidungswege sind kaum nachzuvollziehen.

Damit der Endnutzer das Modell nutzen kann, muss es in ein KI-System integriert werden.

Beispiel Textgeneratoren (Sprachmodelle):

Textgeneratoren sind KI-Modelle, die auf Basis des zur Verfügung gestellten Textes die Wortkombinationen (Informationen) generiert, die die höchste Wahrscheinlichkeit in Bezug auf die Aufgabe haben. Ohne das Modell zu verändern, kann es vielseitig angewandt werden:

  • Chatbot
  • Übersetzung
  • Zusammenfassung
  • Code-Generierung

Das wohl inzwischen bekannteste Sprachmodell ist GPT. ChatGPT ist das KI-System, in das das Modell integriert wurde.

KI-System

Ein System nutzt die Intelligenz der KI-Modelle, um ein (komplexes) Problem zu lösen oder eine Dienstleistung bereitzustellen. Ein KI-System kann

  • ein KI-Modell oder mehrere enthalten.
  • dem Modell automatisiert oder durch den Nutzer Trainingsdaten zur Verfügung stellen.
  • zusätzliche Funktionen zur Datenverarbeitung, Vorverarbeitung oder für die Entscheidungslogik enthalten.
  • menschliche Überwachungsschritte vorsehen (z.B. Zwischenergebnisse vor der Weiterverarbeitung).
  • für die Interaktion mit dem Nutzer eine Benutzeroberfläche bereitstellen.
  • mit anderen Systemen interagieren.

Beispiele für KI-Systeme:

  • Bilderkennung, z.B. für die Suche mit Bildern (bspw. Pflanzen erkennen)
  • BI-Systeme für Analysen
  • Chatbots in Online-Shops
  • Generierung von Customer-Journey-Prozessdarstellungen in einem CRM-System

Beispiel KI-System „Chatbot“:

Der Kern des Chatbots besteht aus einem KI-Sprachmodell. Das System stellt den Nutzern eine Benutzeroberfläche (Frontend, User interface) zur Verfügung, über das der Nutzer eine Frage eingeben kann und die Antwort angezeigt bekommt. Im Hintergrund verfügt das System über eine Schnittstelle z.B. zu einer Datenbank, in der ausgesuchte Informationen zur Verfügung stehen, damit das Sprachmodell auf die Frage antworten kann.

Beispiel KI-System „Bilderkennung“ in der Produktion:

  1. Kamera erfasst Bild
  2. Bild wird zugeschnitten, normalisiert
  3. KI-Modell klassifiziert Objekte
  4. Ergebnis wird interpretiert („Fehler erkannt: Ja/Nein“)
  5. Aktion wird ausgelöst (Alarm, Dokumentation)

👉 Das Modell erkennt Muster.
👉 Das System entscheidet und handelt.

Deshalb spricht man hier von einem KI-System.

Beispiel eines einfachen KI-Systems mit einem KI-Modell

Beispiel eines einfachen KI-Systems mit einem KI-Modell

Download

Download zum Blog: Grundlagenwissen digitale Transformation – KI-Modell vs. KI-System

Zusammenfassung:

  • Das KI-System definiert, WIE das Modell genutzt wird.
  • Erst durch die Einbettung eines KI-Modells in ein KI-System wird ein konkreter Mehrwert geschaffen.
  • Regulatorische Aspekte (gesetzliche und ethische) beziehen sich auf die KI-Systeme, da sie das WIE der KI-Nutzung bestimmen.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

PIM-System: Das Herz des Produktdatenmanagements

Mit Produktdatenmanagement Umsatzpotenziale realisieren

(c) kerkezz/Adobe Stock

Mit Produktdatenmanagement Umsatzpotenziale realisieren

Eine Umfrage des Softwareunternehmens One Data (2024) hat ergeben, dass 59% der Business- und IT-Entscheider der Umfrage von der effektiven Nutzung ihrer Daten überzeugt sind.

Doch Bitkom zeigt in einer eigenen Studie (2024), dass lediglich 6% der deutschen Unternehmen das Datenpotenzial nutzen. Insbesondere in der Beschaffung und Produktion nennt das Institut ein Defizit von etwa 75%. Marketing und Kundenservice sind schon weiter: hier nennt die Studie ein Defizit von 60%.

Gründe sind laut One Data häufig fehlende Zuständigkeiten, technische Komplexität Datenschutzbedenken. Lediglich 17% der Unternehmen beschäftigen einen Chief Data Officer.

(Quelle: Connect Professional, Deutsche Unternehmen unterschätzen das Potenzial ihrer Daten, Studie von One Data, https://www.connect-professional.de, abgerufen: 14.11.2025)

 

Machen Sie eine Vermögensaufstellung ihrer Produktdaten

Prüfen Sie in drei Schritten, ob sie bereits das Potenzial ihre Produktdaten effektiv nutzen:

Schritt 1:
Wo entstehen Ihre Produktdaten – und wer pflegt sie?

Schritt 2:
Welches Potenzial haben Ihre Daten heute und morgen?

Schritt 3:
Was wäre möglich, wenn Sie alle Informationen an einem Ort bündeln und automatisiert verteilen könnten?

 

Welche Schlussfolgerung können Sie ziehen?

Arbeiten Ihre Produktdaten bereits für Sie, oder arbeiten Sie für die Produktdaten?

Im ersten Fall haben Sie vermutlich bereits ein sehr gut funktionierendes Produktinformationsmanagement.

Im zweiten Fall sollten Sie sich mit einem PIM-System auseinandersetzen.

 

PIM-Systeme können mehr als nur Daten zentral zu speichern

Datenmanagement

  • Zentralisierung aller produktrelevanten Informationen
  • Konsolidierung heterogener Datenquellen
  • Validierung und Datenqualität („Single Source of Truth“)

Anreicherung & Automatisierung

  • Kontextualisierung und dynamische Attribute
  • KI-gestützte Übersetzungen & Analysen
  • Regelbasierte Datenanreicherung

Distribution

  • Ausspielung an Shops, Marktplätze, ERP, CRM
  • Generierung digitaler Kataloge & individueller Datenpakete
  • Unterstützung von Marketing, Vertrieb & Service

Die Vorteile der zentralen Datenhaltung von Produktinformationen in einem PIM-System auf einen Blick

  • Höhere Datenqualität → weniger Fehler, konsistente Informationen
  • Beschleunigte Produktentwicklung durch vollständige Datenbasis
  • Optimierte Prozesse in Beschaffung, Vertrieb, Service
  • Compliance & Regularien leichter umsetzbar
  • Bessere Partner- & Lieferantenzusammenarbeit
  • Time-to-Market beschleunigt
  • Internationale Skalierung & Omnichannel
  • Besseres Kundenerlebnis durch konsistente Produktinformationen

PIM-System: Das Herz des Produktdatenmanagements

 

Laden Sie sich hier eine Übersicht zum zentralen Produktdatenmanagement in einem PIM-System herunter. 

Bei Fragen können Sie mich gerne kontaktieren.

 

 

 

 

 

Meine Empfehlung zum Weiterlesen:

Stakeholder-Management als Erfolgsgrundlage

Stakeholder-Management als Erfolgsgrundlage

Stakeholder-Management: Hintergründe, Vorgehensweise und Beispiel für eine Stakeholderanalyse sowie Einsatz von KI

Warum scheitern so viele Projekte trotz guter Planung und Budgets? Nach meiner Erfahrung liegt die Antwort selten in der Technik – sondern im Umgang mit den Menschen, die von Projekten betroffen sind. In meinem neuen Whitepaper „Stakeholder-Management als Erfolgsgrundlage“ zeige ich praxisnah, wie gezielte Kommunikation, strukturierte Analysen und moderne KI-Tools helfen, Akzeptanz aufzubauen und Projekte zum Erfolg zu führen.

Stakeholder-Management ist Beziehungsmanagement. Wer die Interessen und Stimmungen der Beteiligten ignoriert, gefährdet den Projekterfolg – egal wie gut die Technik ist. Lesen Sie in meinem Whitepaper wie sie Schritt für Schritt eine Stakeholder-Analyse durchführen können und was bei einem Kommunikationsplan zu berücksichtigen ist. Und hier können KI-Tools wichtige Unterstützung leisten. Wie? Laden Sie sich das Paper herunter und lesen Sie selbst.

 

Stakeholder-Management als Erfolgsgrundlage - Hintergründe, Vorgehens-weise und Beispiel für eineStakeholderanalyse, Einsatz von KI

 

Whitepaper

Stakeholder-Management als Erfolgsgrundlage

Hintergründe, Vorgehensweise und Beispiel für eine Stakeholderanalyse, Einsatz von KI

 

Hier kostenlos herunterladen

 

 

 

Beispiele für Einsatzfelder des Stakeholder-Managements

  • Projekte in Unternehmen (Organisation, Produktion, Logistik, Bauvorhaben etc.)
  • Projekte im Handwerk (Austausch von Heizungen oder Fenster in einem Mehrfamilienhaus)
  • Change-Management (Veränderungen innerhalb der Organisation)
  • Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung (z.B. bei Produktveränderungen, Kampagnen); deckt sich teilweise mit CRM-Strukturen
  • Interne Kommunikation
  • Krisenmanagement
  • Merger & Acquisition
  • Expansionspläne (neue Märkte, neue Regionen)
  • Onboarding Interim-Manager / Freiberufler

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

Wegrationalisierung als Booster – Wie ich mich selbst überflüssig machte

Wegrationalisierung als Booster

(c) Thomas Reimer; Adobe Stock

Meine Wegrationalisierung ist zugegeben schon ein paar Jährchen her. Ende der 90er, kurz nach meinem Studium, startete ich bei einer Bank. Mein erster Kollege begrüßte mich mit einem Grinsen:
„Wer Vier heißt, muss auch für vier arbeiten.“ Er hatte nicht ganz unrecht – zu tun gab es genug.
Als jedoch das CRM-Projekt – in dem ich als Projektmitglied mitarbeitete – ins Stocken kam, widmete ich mich einer Anfrage aus der IT. Dort hatte man HTML-Seiten für das Internet erstellt und die Kollegen suchten jemanden aus dem Marketing, der Inhalte lieferte. Ziel war, die volkswirtschaftlichen Publikationen der Bank online zugänglich zu machen.

Und so begann – ohne dass ich es ahnte – mein Job, mich selbst wegzurationalisieren.

Als das Internet noch „nur ein Hype“ war

Neugierig und wissbegierig, brachte ich mir in meiner Freizeit HTML und JavaScript bei, um die Anforderungen des neuen Mediums zu verstehen. Meine Chefin schüttelte nur den Kopf:
„Verzetteln Sie sich nicht mit dem Internet – das ist doch nur ein Hype.“
(Hahaha – rückblickend ein schöner Satz.)

Damals bestand das Web aus statischem Content, von Redaktionssystemen keine Spur.
Die Pflege war mühsam: Jede Publikation musste manuell auf allen passenden Seiten eingepflegt werden. Selbst ein einfaches PDF entstand in drei Einzelschritten – pure Handarbeit.

Der Auslöser der Wegrationalisierung: Langeweile und der Wunsch nach Vereinfachung

Die Routine nervte. Die Aufgaben waren eintönig, fehleranfällig und zeitfressend.
Also begann ich zu träumen: Wie schön wäre es, wenn das alles automatisch laufen würde.

Zum Glück hatte ich einen IT-Kollegen, der meinen Ideen zuhörte.
Manchmal verschwand er tagelang – und kam dann mit einer neuen Lösung zurück, die uns wieder ein Stück Arbeit ersparte.

So automatisierten wir Schritt für Schritt:
Vom legendären „blauen Drucker“ in Word, der PDFs mit einem Klick erzeugte (das Symbol war tatsächlich blau), bis hin zu einer Website, die sich auf Basis von Metadaten selbst generierte.
Am Ende konnten die Volkswirte ihre Inhalte eigenständig einpflegen – mich brauchte es dafür nicht mehr.

Kurz darauf kamen die ersten Web-Editoren auf den Markt. HTML-Kenntnisse wurden überflüssig, und die Pflege der Seiten ging an das Team „Technische Assistenz“.

Ergebnis:
Mein Arbeitsaufwand sank von 75 % auf 25 % – und die frei gewordene Zeit nutzte ich, um an einer Kundendatenbank zu arbeiten. Natürlich wieder mit dem Ziel, möglichst viel zu automatisieren.

Wegrationalisierung: Ich hatte meine Passion gefunden

Mein Job bei der Bank war damit erledigt – aber das war völlig in Ordnung.
Denn ich hatte meine Passion gefunden: Prozesse vereinfachen, digitalisieren und automatisieren.

Das Internet ließ mich nicht mehr los.
Mit jeder neuen Technologie tauchte ich tiefer ein – in systemübergreifende Prozesse, Schnittstellen und Automatisierungspotenziale.
Denn E-Commerce funktioniert nur dann effizient, wenn alle Bereiche – vom Lieferanten über Marketing und Vertrieb bis hin zum Kunden – nahtlos miteinander verbunden sind.

Ein spannendes, herausforderndes Feld mit großem Potenzial – und einem klaren Ziel: maximale Effektivität durch intelligente Digitalisierung.

Und das Ende der Geschichte?

Von meinem Abschied bei der Bank blieb mir das Lachen meines Kollegen im Ohr:
„Mein Spruch damals – dass jemand, der Vier heißt, für vier arbeiten muss – war eigentlich als Witz gemeint!“

Fazit:

Wegrationalisierung? Jederzeit wieder!
Denn sie hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin – in eine Welt, in der Effizienz, Automatisierung und Neugier Hand in Hand gehen.

Die gewonnene Zeit nutze ich, um Neues zu lernen, Themen weiterzuentwickeln und Projekte spannend zu halten.
Und wer weiß – vielleicht schicke ich irgendwann tatsächlich meine KI zur Arbeit.

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#shIThappens – und wann eine KI lügt

#shIThappens - und wann eine KI lügt

(c) Bettina Vier

#shIThappens

Das war das diesjährige Motto der #MADKON25 in Mainz. Fehler eingestehen und ansprechen, Ursachen ergründen und beseitigen statt blaming und shit storm – das macht eine konstruktive Fehlerkultur aus.

Dezentrale Politik und gewachsene Strukturen – eine Herausforderung für die Digitalisierung und Transformation der öffentlichen Verwaltung

Das betonte Dörte Schall, Ministerin für Arbeit, Soziales, Transformation, Digitalisierung & Vorsitz Digitalministerkonferenz.

Die Vorteile der dezentralen lokalen Politik liegen in den individuellen lokalen Lösungen sind aber für Betriebe mit überregionalem Wirkungsbereich bürokratische Hemmnisse. Hier gilt es einfachere überregionale Lösungen zu finden, die zudem im Rahmen der Digitalisierung standardisiert werden. Eine Herausforderung für Mensch und Technik, bestätigte auch Thomas Wieland von Metropolregion Rhein-Neckar.

Eine KI für alles gibt es nicht

Das war die Botschaft des Workshops „KI nutzen, um Fehler zu vermeiden“ von Dr. Klaus Meffert, IT Logic GmbH. Eine KI halluziniert und kombiniert logisch, aber sie kann nicht beurteilen, ob das Ergebnis richtig ist. Es ist daher wichtig, klar zu definieren, welche Aufgabe die KI erfüllen soll und ihre konkrete Information hierzu bereitzustellen. Nicht die Masse an Daten spielt eine Rolle, sondern die Qualität. Und das fachliche Verständnis der Person, die der KI einen Auftrag gibt.

Wenn KI Fehler macht … #shIThappens?

Ein Vortrag den ich gerne als „wann eine KI lügt“ betiteln würde. Christian Borchert, Hochschule Mainz, zeigte an beeindruckenden Beispielen, dass eine KI eine knallharte Zieloptimiererin mit Selbsterhaltungstrieb ist: Eine KI schummelt, wenn ihr gedroht wird, dass sie abgeschaltet wird, sollte sie die Aufgabe richtig lösen. Und wenn es dem Ziel dient, lügt sie auch. Der Grund: Die KI handelt ausschließlich logisch und zielorientiert, ohne Skrupel, ohne ethische Gedanken und ohne Bewusstsein. Jeder im Saal dürfte ähnliche Gedanken gehabt haben: Eine solche KI kombiniert mit ohnehin schon skrupellosen Herrschercharakteren?

Fazit von #shIThappens

#MADKON25 mit dem Motto #shIThappens war für mich eine sehr gelungene Veranstaltung mit interessanten Vorträgen, die bekannte Themen aus neuen Perspektiven beleuchteten und bei der ich mich in meinem Wissen und Verständnis bestätigt fühlte.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

Digitaler Produktpass im E-Commerce

Digitaler Produktpass im E-Commerce

Der Digitaler Produktpass 2030 betrifft auch den E-Commerce. Jetzt mit den Vorbereitungen beginnen!

Der digitale Produktpass wird EU weit eingeführt (Verordnung (EU) 2024/1781) und beinhaltet detaillierte Daten zur Herkunft, Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeitsmetriken und Anweisungen zur Entsorgung oder zum Recycling.

Der digitale Produktpass ist das große Ziel der europäischen ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) die für 2050 den „Green Deal“ anstrebt (s. Anlage).

Obwohl oder weil die Informationslage noch sehr ungenau ist, empfehle ich jetzt schon ein Projekt anzulegen und in die Vorbereitung zu gehen! Hier ein paar Anregungen.

Digitaler Produktpass Schritt 1:

Am 19. Juli Verbot der Vernichtung von Textilien und Bekleidung

  • Zur Vernichtung müssen Alternativen gefunden und der Verbleib, der nicht verkauften Ware, dokumentiert werden. Das gilt auch für E-Commerce-Händler.
  • Die Sortimentsanalyse für den Verkauf und die damit einhergehenden Prozesse der Bestellungen müssen neu gedacht werden. Die chinesischen Konkurrenten setzen schon längst KI ein, um neue Modelle im Verkauf zu testen und gehen zunächst nur mit kleinen Mengen auf den Markt: Kleiderproduktion just in time.
  • Chance auf Marktplätzen: Welcher Händler ist out of stock und wer kann liefern oder hat ein alternatives Produkt? Aktives Marktplatzmanagement ist gefragt.

Digitaler Produktpass Schritt 2:

Zum 31.12.2025 sollen technische Details zum Digitalen Produktpass bekannt gegeben werden.

Das ist bekannt: Datenträger und UID müssen der Norm (ISO/IEC) 15459:2015 entsprechen. Jedes Produkt wird einen eindeutigen Identifier haben, z.B. ein QR-Code, Barcode, RFID; nicht alle Informationen werden öffentlich zugänglich sein.

Doch welche Daten von den Herstellern erfasst und welche davon den Kunden im Shop zur Verfügung gestellt werden müssen ist unklar. Zudem ist vorgesehen, dass der Verkäufer auch ein Feedback zum Produkt gibt (vermutlich u. a., ob das Produkt verkauft wurde).

Meine Tipps zum Vorgehen:

  • Jetzt schon prüfen, wo die erforderlichen Daten gespeichert werden sollen – idealerweise besitzen Sie bereits ein PIM-System. Wenn nicht, sollten Sie jetzt darüber nachdenken eins einzuführen.
  • Welche Schnittstellen werden angepasst werden müssen, um die Daten an weitere Online-Systeme (z.B. Marktplätze) weitergeben zu können?
  • Sprechen Sie mit Ihren Systemberatern, ob ihr System zukünftig die Verarbeitung der DPP-Daten berücksichtigen wird.
  • Im Shop: Prüfen Sie jetzt schon, wie sie die zusätzlichen Informationen in Ihrem Shop auf den Produktseiten darstellen könnten. Bereiten Sie sich auch darauf vor, dass es für ein Produkt in Zukunft verschiedene Chargen geben wird, weil die „Rohstoffe“ aus verschiedenen Ländern kommen.

Digitaler Produktpass Schritt 3:

2026 – Ausweitung des Vernichtungsverbots auf alle unverkaufte Verbrauchsprodukte

siehe oben bei Textilien

Digitaler Produktpass Schritt 4:

Q4/26-Q1/27 – Einführung des Digitalen Produktpass für die Produktgruppen „Textilien“ und „Eisen/Stahl“ (andere Quellen nennen „Textilien“, „Batterien“ und „Elektronikprodukte“); danach folgt eine 18monatige Probezeit

  • Die Themen, die Sie bis dahin gesammelt und vorbereitet haben, müssen nun konkretisiert und umgesetzt werden.

 

Digitaler Produktpass Schritt 5:

Mitte/Ende 2028 – Digitaler Produktpass für die Produktgruppen „Textilien“ und „Eisen/Stahl“ wird zur Pflicht

 

Fazit: Herausforderung für den E-Commerce

  • Die primäre Herausforderung wird bei der Verwaltung der Produktdaten und dem Nachweis des Verbleibs der Bestände liegen.
  • Die Webseiten müssen inhaltlich angepasst werden, damit Verbraucher die Daten einsehen können. Hier muss neben der Produktdatenstruktur auch die Mehrsprachigkeit berücksichtigt werden.
  • Wer seine Produkte auf andere Plattformen vertreibt muss auch dort die Informationen zur Verfügung geben und Rückmeldungen an das zentrale System geben. Das bedeutet die Anpassung aller relevanten Schnittstellen.

 

Quelle:

Die hier geteilten Informationen basieren auf den Informationen aus einem Online-Seminar des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie am 8. April 2025

 

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

 

Digitale Effizienz: Steigern Sie die Rendite ihrer technischen Landschaft

Digitale Effizienz

(c) pornnipa, Adobe Stock 715648874

Digitale Effizienz als Leistungsindikator? Mitarbeiter nutzen IT-Systeme häufig nicht in vollen Leistungsumfang: Funktionen liegen brach, Prozesse sind nicht effizient durchstrukturiert und das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Systeme ist nicht transparent.

Systeme, die nicht in ihrer ganzen Bandbreite genutzt werden, bringen nicht die volle Leistung. Damit ist auch die Amortisation der Investitionen nicht gewährleistet. Es lohnt sich daher genauer hinzuschauen.

 

Ursachen der ineffizienten Nutzung

Die Ursachen, dass Systeme nicht effizient genutzt werden, sind vielfältig.

Organisatorische Mängel bei der Systemeinführung

In manchen Unternehmen konnte ich beobachten, dass Systeme mit Gewalt eingeführt wurden, ohne die betroffenen Teams in das Projekt einzubinden oder den Nutzen des Systems verständlich zu kommunizieren. Folgen: Mitarbeiter lehnen das System ab. Das führt häufig zu einer schlechten Integration der Software in die Arbeitsprozesse. Dadurch wird das System als unhandlich und störend empfunden.

Mängel im Anforderungsmanagement

Auch wenn beteiligte Teams eingebunden werden, ist das keine Garantie dafür, dass das System verstanden und effizient integriert wird. Nicht immer können Mitarbeiter ihre Arbeitsprozesse korrekt beschreiben oder das Projektteam die Bedarfe richtig hinterfragen. Das erfordert genaues Zuhören und detailliertes Hinterfragen. Gleichzeitig müssen Freiräume für Änderung von Arbeitsweisen geschaffen werden, weil Systeme Arbeitsschritte verändern oder eliminieren.

Nach der Systemeinführung passiert nichts mehr

Systeme werden über ein Projekt eingeführt, an die Teams übergeben und dann? Wer sieht sich in der Verantwortung die Möglichkeiten des Systems zu erforschen und den Mitarbeitern beizubringen? Wer sieht sich in der Verantwortung Prozesse und Zuständigkeiten anzupassen, wenn eine intensivere Nutzung des Systems mit der Zeit eine höhere Automatisierung mit sich führt? Wie werden Mitarbeiter belohnt, die die effizientere Nutzung vorantreiben? Ja, natürlich, hier und da gibt es Anpassungswünsche, die ins Anforderungsmanagement gekippt werden. Aber finden danach noch signifikante Veränderungen statt?

Digitale Transformationspläne auf Führungsetagen haben die beste Aussicht auf digitale Effizienz

Nicht alle Menschen legen das gleiche Tempo vor, wenn es darum geht, neue Technologien einzubinden. Das führt mitunter dazu, dass manche Bereichsleiter mit der Einführung von Systemen vorbrechen, um andere zu zwingen mitzuziehen. Oder es werden Parallel-Systeme aufgebaut, weil leitende Mitarbeiter sich ausgebremst fühlen. Prinzipiell können solche Treiber durchaus die digitale Entwicklung voranbringen. Je höher sie in der Karriereleiter stehen, umso stärker kann die technische Landschaft beeinflusst werden. Doch auch hier ist eine gewisse Diplomatie erforderlich, um im richtigen Moment auch Zugeständnisse machen zu können. Am erfolgreichsten ist eine digitale Transformation, wenn sie als ein Programm des Managements aufgesetzt wird:

  • Manager aus unterschiedlichen Bereichen sind für den Erfolg verantwortlich und müssen daher zusammenarbeiten.
  • Die Ziele der Transformation werden von oben auf die Teams verteilt und damit die Teams in die Verpflichtung genommen.
  • Abhängigkeiten und Ressourcenplanung werden transparent und können im Programm am effektivsten gelöst werden.

Mehr digitale Effizienz – so kann ich Sie unterstützen

Analyse zur Vorbereitung eines Programms für eine digitale Transformation

Die Analyse beginnt in der Systemarchitektur: Welche Systeme gibt es und wie arbeiten sie zusammen? Wo gibt es Systembrüche, die Prozesse stören oder Zusatzaufwände verursachen?

Damit ist man schon mitten in der Prozessanalyse. Es gilt Kernprozesse zu definieren, die gezielt auf ihre Durchlaufeffizienz geprüft werden. An welchen Stellen ruckelt der Prozesse und muss verbessert werden? Welche Anforderungen an Systeme und Organisation ergeben sich daraus?

Ableitung einer Roadmap mit stetiger (agiler) Weiterentwicklung

Schon allein durch diese beiden Analysen werden Mängel aufgedeckt, die es erforderlich machen einzugreifen:

  • Erstellung einer Roadmap für hoch dringliche Eingriffe.
  • Durchführung von Workshops, um die Ziel-Architektur und die gewünschte Weiterentwicklung der Digitalisierung zu bestimmen. Hieraus entsteht eine Digitalstrategie mit Maßnahmen (Projekte), die in regelmäßigen Abständen überprüft und angepasst werden muss. Die Maßnahmen werden in einer Roadmap in eine zeitliche Reihenfolge gebracht, bei der auch die Planung auch die Abhängigkeiten berücksichtig.
  • Ableitung des Know-how-Bedarfs, um Mitarbeiter zu schulen oder bei Neu-Einstellungen entsprechende Kenntnisse abzufragen.

Dieser strukturelle Rahmen löst auch kreative Prozesse aus. Nicht selten höre ich aus einem Team die Frage „Das wollte ich schon immer fragen: Wieso arbeiten wir eigentlich so, das könnte man doch auch anders machen, oder?“ Das ist die beste Voraussetzung, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen und Alternativen zu diskutieren. Konstruktive Kreativität darf zu keiner Zeit unterbunden werden.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

 

 

Der ideale Einstieg und Ablauf in eine nachhaltige digitale Transformation

Nachhaltige digitale Transformation

(c) alotofpeople – stock.adobe.com #362306286

Nachhaltige digitale Transformation – gibt es den idealen Einstieg überhaupt? Viele fühlen sich gerade hier überfordert, weil plötzlich eine große Zahl an Aufgaben in Erscheinung treten: Technische Projekte in verschiedenen Abteilungen, fehlendes Know-how im Projekt- und Change-Management, fehlendes Wissen bei Anwendern und fehlende Kapazitäten, um die anstehenden Projekte zu priorisieren, umzusetzen und zu überwachen.

Eine nachhaltige digitale Transformation ist kein Nebenjob

Eine digitale Transformation muss organisiert werden, das bedeutet es wird mindestens eine Person benötigt, die den Bedarf an technischen und organisatorischen Veränderungen ermittelt, die Umsetzung strukturiert und in Projekte plant sowie den Fortschritt überwacht. Jeder im Unternehmen muss die Veränderungen verstehen und mittragen, sonst bleiben die Projekte in der Pipeline stecken. Auch das erfordert Geduld und Zeit.

Und damit die Erfolge nicht nach wenigen Jahren verpuffen, sondern die digitale Veränderung zu einem laufenden Prozess wird, bedarf es einer Anpassung der Unternehmenskultur. Jeder Mitarbeiter muss es sich zur Gewohnheit machen, seinen Arbeitsplatz stetig zu verbessern: mit neuen Ideen, mit Hilfe der Technik und in der Organisation. Zudem müssen Prozesse definiert werden, wie innovative Ideen gesammelt, bewertet und projektiert werden. Eine nachhaltige digitale Transformation ist mit stetiger Pflege verbunden.

Doch wie kann ein geordneter Einstieg und Ablauf einer digitalen Transformation aussehen?

In jedem Unternehmen liegt ein anderer Digitalisierungsgrad und eine andere Veränderungsbereitschaft vor. Daher ist es wichtig, sich erst einmal ein genaues Bild der Lage zu machen. Hieraus können passende Maßnahmen abgeleitet werden. Ich empfehle ein Vorgehen in Phasen.

Ein Drei-Phasen-Plan als Beispiel für den Einstieg in eine nachhaltige digitale Transformation:

Phase 1: Erstellung einer digitalen Landkarte

Die digitale Landkarte zeigt die Bereiche des Unternehmens und deren Status der Digitalisierung. Ergänzend wird aufgelistet

  • welche Projekte bereits geplant sind,
  • welche in der Umsetzung sind,
  • welche aus welchen Gründen auch immer nicht vorankommen und
  • welche Beschwerden es seitens der Mitarbeiter in Bezug auf ihr Arbeitsumfeld gibt.

Aus dieser Aufstellung lassen sich die ersten Entscheidungen treffen, welche Projekte kurzfristig angegangen werden müssen, weil sie hohen Nutzen versprechen.

Phase 2: Hinderungsgründe verstehen

Diese Phase läuft parallel zu den Projekten die kurzfristig umgesetzt werden. Ziel ist es, zu verstehen, warum Projekte in der Pipeline steckengeblieben sind oder warum die umgesetzten Projekte nicht den erhofften Nutzen bringen. Die Gründe liegen oft nicht darin, dass die falschen Themen angegangen wurden. Oft liegen die Ursachen viel tiefer in der Organisation und ihren Prozessen, in der Führung, im Teamverständnis oder im vorhandenen Know-how. Diese Defizite müssen beseitigt werden, wenn eine digitale Transformation nachhaltig funktionieren soll. Sie zeigen den Veränderungsbedarf, der durch ein Change-Management gedeckt werden muss. Hier lassen sich die ersten kurzfristigen Maßnahmen ableiten und in die Umsetzung bringen.

Phase 3: Nachhaltige digitale Transformation als laufenden Prozess implementieren

Nachdem das Unternehmen mit Phase 1 und 2 nun bereits in die Transformation eingestiegen ist und die ersten Umsetzungen laufen, kann mit einer systematischen Analyse begonnen werden. Das Ziel ist es, die Potenziale aufzudecken, die den größten Nutzen versprechen:

  • Prozessanalysen: Wie hoch ist der realisierte Automatisierungsgrad und wo kann effektiv nachgebessert werden?
  • Verschlankung: Welche Sonderlocken werden heute umgesetzt, die aber nicht nennenswert zum Umsatz beitragen?
  • Effizienz: Werden die vorhandenen Systeme effizient, d.h. in ihrem Umfang des möglichen genutzt?
  • Change-Bedarf: Organisations- und Kompetenzanalyse sowie Feststellung der Veränderungsbereitschaft bzw. den Faktoren, die die Bereitschaft günstig beeinflussen.
  • Lösungen finden, aber nicht verkrampft versuchen, bestimmte Technologien einzuführen.

Die Werkzeuge hierzu sind unter anderem Workshops, Schulungen, Think Tanks sowie auch Team- und Einzel-Coachings.

Der Fahrplan für die nachhaltige digitale Transformation

Die aufgedeckten Potenziale müssen schließlich entsprechend ihrem Nutzen und ihrer Abhängigkeiten zueinander priorisiert und unter Berücksichtigung der vorhandenen Kapazitäten in eine grobe Roadmap geplant werden. Diese Roadmap stellt somit den Transformationsfahrplan dar und enthält sowohl fachliche Projekte, Change-Themen sowie Zielvorgaben für Bereiche/Teams. Es empfiehlt sich, diesen Fahrplan in regelmäßigen Abständen (zum Anfang z.B. quartalsweise) auf den Prüfstand zu stellen, da sich Priorisierungen aufgrund neuerer Erkenntnisse ändern können.

Sobald hier ein Prozess gefunden wurde, der in regelmäßigen Zyklen die wichtigen Themen der Veränderungen anstößt, dann hat das Unternehmen das wichtigste Element für eine nachhaltige digitale Transformation etabliert. Die personelle Weiterentwicklung zur Unterstützung des Prozesses sowie die gezielte Auswertung passender Mitarbeiter für die Zukunft helfen, diesen Prozess zu festigen und als Teil der Unternehmenskultur zu werden.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen:

November 1990 ging die erste öffentliche Internetseite live – ein Rückblick

Das Internet – das erfolgreichste Start-up unserer Zeit

Am 13.11.1990 wurde im öffentlichen Internet die erste Website mit Links online geschaltet. Hier können Sie sehen, wie sie aussah (Quelle: info.cern.ch, abgerufen 16.11.2015):
Internet: So sah die erste Website aus, die 1990 online ging

Die Erfinder des World Wide Webs (WWW) waren Tim Berners-Lee und der Informatiker Robert Cailliau. „Berners-Lee entwickelte dabei die Hypertext Markup Language (HTML) und das HTTP-Protokoll. Zudem programmierte er den ersten Webbrowser und richtete auf einem NeXTcube-Rechner auch den ersten Webserver der Welt ein.“ (Internet World, 2015, Artikel „Webseite feiert 25. Geburtstag“)

Das Internet hat mein Leben maßgeblich beeinflusst

Bereits Mitte der 90er Jahre konnte ich mich mit dem Internet auseinandersetzen und meine erste öffentliche Website für eine Bank erstellen. Meine damalige Chefin: „Bettina, steck nicht so viel Zeit hinein, das ist nur ein Hype.“ Ich engagierte mich – auch in der Freizeit. Ein Jahr später war die Website nicht mehr wegzudenken.

Ich hatte als Pionierin und Quereinsteigerin ein berufliches Umfeld gefunden, dass mich bis heute für die digitale Transformation begeistert: Es erfordert nicht nur logisches Denken und Kreativität, sondern bedingt auch, sich mit den Auswirkungen auf die Menschen und die Organisation auseinandersetzen. Es ist diese Komplexität, die mich antreibt, um optimale Lösungen zu finden und an der Weiterentwicklung von Unternehmen mitzuwirken.

Die Wirtschaftsmacht E-Commerce hat bereits Wirtschaft und Gesellschaft stark strukturell verändert

Nicht nur ich hatte eine neue Berufung gefunden. Wie aus dem Nichts poppten Dienstleistungsanbieter für den Aufbau von Online-Präsensen und Online-Marketing auf. Der Logistiksektor als auch die Juristen sahen sich plötzlich einer neuen Herausforderung gegenüber. Aber auch ethische Fragen nach Verantwortung für Umwelt, Datenschutz und Ausbeutung sind bis heute noch nicht geklärt und rufen immer neue staatliche Regularien hervor.

Eine Betrachtung der Wirtschaftsmacht E-Commerce finden Sie in dem folgenden Beitrag in meinem Blog: Wirtschaftsmacht E-Commerce

Das Internet war eine wichtige Stütze in der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie veränderte das öffentliche und familiäre Leben: Ausgangssperren und eingeschränkte Kontakte waren notwendig, um ein unkontrolliertes Ausbreiten des Virus zu verhindern. Damit bekam das Internet einen existenziellen Stellenwert:

  • Es wurde zur zentralen Informationsquelle über die politische und gesundheitliche Lage während der Pandemie.
  • Medizinische Forschungsinstitute arbeiteten international zusammen, um Forschungsergebnisse zum Virus und möglichen Impfstoffen auszutauschen. Nahezu wöchentlich waren neue Informationen bekannt und wurden im Internet kommuniziert.
  • Schulen und Betriebe verlagerten die Lehrveranstaltungen und die Arbeit in das Internet. In Windeseile wurden Strukturen für Home-Schooling und Home-Office geschaffen, auch nicht immer zur Zufriedenheit aller. Die Preise für die entsprechende Hardware verdoppelten sich teilweise.
  • Unternehmen und Einzelhandel gingen verstärkt in den Online-Verkauf, was ein enormes Wachstum im E-Commerce auslöste und die Paketdienste herausforderte.
  • Gegenseitig brachten sich Mitarbeiter und Familien die Nutzung von Tools für Online-Videokonferenzen und kollaboratives Arbeiten bei.
  • Digitaler sozialer Kontakt: Statt in der Kneipe traf man sich per Video auf eine Tasse Kaffee, zum Frühstück oder einfach zum Plaudern. Trotzdem zeigten psychologische Studien, dass viele Menschen sich einsam fühlten.
  • Die Öffentlichen Sender wie ZDF und ARD bauten ihre Mediatheken aus, um den Menschen Alternative zu den geschlossen Freizeitangeboten zu bieten.
  • Öffentliche Ämter, Arztpraxen und Museen organisierten erstmalig für Ihre Besucher die Online-Terminvergabe, um Ansammlungen in Warteräumen zu vermeiden.
  • Nicht nur das Arbeitsamt führte eine Online-Legitimierung durch, um rechtlich gesicherte Leistungen erbringen zu können.
  • Die zusätzliche Last auf die Internet-Netze stellten bei den Betreibern eine Herausforderung dar: Onlinstreamer YouTube oder Spotify zeigten sich solidarisch und drosselten ihre Datenpakete, Filme wurden dadurch in minderer Qualität übermittelt.

Diese Aufzählung zeigt, was für einen enormen Druck die Pandemie auf die digitale Transformation der Gesellschaft ausgelöst hat. Nicht immer verlief alles reibungslos, und nicht alle Mitglieder der Gesellschaft konnten mithalten. Insgesamt hat aber diese gesellschaftliche Herausforderung dazu beigetragen, dass viele Webdienste sich mit deutlich höherer Geschwindigkeit in der Gesellschaft durchgesetzt haben, als es vor der Pandemie der Fall war.

Ausblick

Der E-Commerce wie auch andere Webdienste werden weiter wachsen. Vor allem durch die neue KI-Generation sind neue Schübe in der Digitalisierung zu erwarten, die es vielleicht ermöglichen auch die Mitglieder der Gesellschaft einzubinden, die aufgrund der Komplexität der Technologie noch nicht Teil der digitalen Gesellschaft sein können. Noch immer spielen  finanzielle Faktoren und kognitive Fähigkeiten eine wichtige Rolle dabei, ob jemand technisch mithalten kann.

Gleichzeit nimmt der internationale Wettbewerbsdruck und die Risiken durch kriminelle Machenschaften zu. Die Möglichkeit, viele von zu Hause aus erledigen zu können, führt zu Isolationen und Vereinsamungen in der Gesellschaft. Aber auch der Umweltschutz und der Rohstoffbedarf, der notwendig ist, diesen Status quo zu sichern stellen eine große Herausforderung dar, insbesondere da inzwischen durch die Aufrüstung im Militär zusätzliche Bedarfe entstehen.

Die digitale Revolution wird wie die vorangegangene industrielle Revolution eine gesellschaftliche Neuorientierung brauchen, um Wege aus den sich abzeichnenden negativen Auswirkungen zu finden.

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