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Agenturauftrag bei Digitalprojekten: Das Missverständnis, das Digitalprojekte ausbremst

Zusammenarbeit mit Agenturen; Die Projektmanager des Auftraggebers und der Agentur sitzen sich gegenüber; das Bild zeigt welche Aufgaben jeder in seinem Unternehmen übernehmen muss.

(c) Adobe Firefly; angepasst Bettina Vier

„Wir haben doch eine Agentur beauftragt, die die Projektleitung übernimmt.“

Und genau hier liegt eines der größten Missverständnisse in Digitalisierungsprojekten.

In der Digitalisierung braucht der Mittelstand Agenturen

Gerade im Mittelstand ist es absolut sinnvoll und strategisch klug Agenturen einzubinden:

  • Sie bringen das notwendige Spezialwissen mit.
  • Man muss keine eigene Infrastruktur mit erforderlichen Know-how-Trägern und Tools aufbauen, die nur temporär benötigt wird.
  • Das Projekt profitiert von bereits etablierten Tools, Ad-ons oder Prozessabbildungen.

Die Zusammenarbeit mit Agenturen spart Zeit und bringt Wissen in das Unternehmen ein.

Aber: Eine Agentur ersetzt kein internes Projektmanagement.

Die Erwartungen an die Projektleitung der Agentur triften auseinander

Was viele Auftraggeber erwarten:

  • Die Agentur steuert das Gesamtprojekt.
  • Sie koordiniert intern.
  • Sie sorgt dafür, dass alles läuft.

Was die Agentur tatsächlich leistet:

  • Steuerung des eigenen Teams
  • Koordination der eigenen Deliverables
  • Verantwortung für die eigene Umsetzung

Was die Agentur nicht leisten kann (es sei denn, die Agentur wurde explizit hierfür beauftragt):

  • Stakeholdermanagement beim Auftraggeber
  • Priorisierung des Tagesgeschäfts des Auftraggebers
  • Entscheidungsvorbereitung für die Geschäftsführung
  • Aufbau eines internen Projektteams beim Auftraggeber
  • Durchsetzung von Aufgaben im Unternehmen

Und genau hier liegen häufig die Gründe, wenn Digitalisierungsprojekte nicht ins Laufen kommen. 

Das typische Szenario

Man trifft sich, die Agentur wird gebrief und die ersten Aufgaben werden vereinbart. Die Agentur liefert. Doch dann kommt das Projekt ins Stocken:

  • Anforderungen des Auftraggebers kommen verspätet
  • Fachbereiche sind nicht abgestimmt
  • Freigaben dauern Wochen
  • Entscheidungen werden vertagt
  • Viele Korrekturrunden

Die Agentur fragt zunächst geduldig nach. Dann kommen die ersten Hinweise, dass sie Kapazitäten abziehen und ein anderes Projekt bedienen müssen. Es entsteht Hektik. Die Fehler werden nicht selten bei der Agentur gesucht.

Die eigentliche Ursache der Störung im Projekt

Die Ursache ist nicht die Agentur, nicht das Budget und auch nicht das Tool.

Sondern die fehlende interne Steuerung.

Oder wie es Joachim Frey* treffend formuliert wurde:

„Keine Organisation kann Leistungen erbringen, für die die Mitarbeiter nicht das nötige Know-how besitzen oder nicht motiviert sind.“

Die Erkenntnis

Eine Agentur kann nur so gut arbeiten, wie das Unternehmen intern strukturiert ist.

Jemand muss intern das Projekt antreiben und Hürden aus dem Weg räumen. Ein Agenturauftrag allein reicht nicht aus. Hierzu gehört:

  • Stakeholder zusammenbringen
  • Klarheit schaffen
  • Entscheidungen vorbereiten
  • Reibung reduzieren
  • Geschwindigkeit erzeugen

Viele Projekte scheitern nicht an Kompetenz. Sondern an Verantwortung.

Das ist ein strukturelles Thema, das erstaunlich häufig unterschätzt wird. Doch die Lösung ist einfach:

Der Agenturauftrag bei Digitalprojekten muss klar die Aufgaben der Agentur und die des eigenen Unternehmens beschreiben. So können Missverständnisse vermieden werden. Zudem liefert dies eine gute Grundlage für die Ausarbeitung des Projektplans, in dem diese Aufgabenteilung noch konkreter ausgearbeitet wird. Dann muss jede Seite einen Projektleiter / eine Projektleiter bestimmen, die das Projekt intern steuern und abstimmen.

 

* Quelle: Joachim Frey, Präsentation PIM/MAM und MDM-Projekte erfolgreich umsetzen, SDZeCOM, 2026

 

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Vorlage für den Projektstart – schnelles Onboarding von Externen

Vorlage für den Projektstart - schnelles Onboarding für Externe

(c) 1STunningART – stock.adobe.com #270961904

Zeit ist Geld

Sobald ein Projekt beschlossen wurde oder eine Leitungsfunktion interimistisch durch einen externen Manager besetzt werden soll, muss alles schnell gehen. Der externe Mitarbeiter soll schnell möglichst starten. Damit das gelingt muss die passende Person zu den anstehenden Aufgaben gefunden werden und sie muss schnell in die Materie hineinwachsen:

  • Welche Themen und Ziele stehen an und sollen in der vorgesehenen Zeit umgesetzt werden?
  • Welches Know-how muss eine Person mitbringen, um diese Aufgabe übernehmen zu können?
  • Welche Eigenschaften muss eine Person haben, damit sie bestimmte Herausforderungen meistern kann?

Die „Vorlage für den Projektstart“ dient der systematischen Vorbereitung

Sie glauben alle Antworten zu den Fragen oben zu kennen? Dann wird Ihnen das Ausfüllen der Vorlage keine Probleme bereiten. Stimmen sie die Antworten mit allen internen Beteiligten ab und sie werden feststellen, wie viele Punkte unterschiedlich wahrgenommen wurden.

Die abgestimmte Vorlage kann zwei Zwecke erfüllen:

  • Erstellung einer passenden Ausschreibung mit direkten Bezug zum Projekt
  • Bereitstellung der Informationen für die externe Projektmanagerin, damit diese sofort starten kann.

Das Onboarding einer Externen unterscheidet sich von dem eines neuen festangestellten Mitarbeiters darin, dass es sich stark auf die konkrete Aufgabe bezieht. Ein umfassendes Onboarding wie bei festangestellten Mitarbeitern ist häufig nicht notwendig. Je mehr Klarheit über die Erwartungen an die Umsetzung des Projekts besteht, um so schneller kann der / die Externe in das Projekt oder Interim Mandat einsteigen und sich konkret in die Materie einarbeiten. Damit verkürzt sich die Einarbeitungszeit signifikant.

Offenheit und konkrete Erwartungen sind die Grundlagen für den Projekterfolg

Je mehr Informationen in der Vorlage für den Projektstart zusammengetragen werden konnten, umso schneller werden sich die externe Mitarbeiterin und die betroffenen Bereiche in die Umsetzung begeben können. Natürlich können Lücken bleiben, aber auch diese zeigen der neuen Kollegin was noch geklärt werden muss. Die Externe kann sich schon am ersten Tag, voll auf das Projekt konzentrieren und mit Hilfe der Checkliste mit den ersten Stakeholdern in Kontakt treten.

Beugen sie bewusste oder unbewusste Abwehrmaßnahmen interner Mitarbeiter vor.  Hin-und-wieder hat es den Anschein, dass der eine oder andere Manager oder Mitarbeiter die Fähigkeiten des Externen prüfen wollen. Informationen oder Unterlagen werden zurückgehalten, ganz nach dem Motto „mal sehen, ob er selbst draufkommt!“. Das ist kontraproduktiv und schadet dem Projekt. Mit Hilfe der Projektauftrag Vorlage wird jeder gezwungen seine Informationen zum Start des Projektleiters zur Verfügung zu stellen. Ob die Projektleiterin etwas kann, zeigt sich dann immer noch darüber, wie sie mit den Informationen umgeht.

Viel hilft nicht immer viel

Manchmal werden externe Projektmanager nur mager mit Informationen ausgestattet und ein anderes Mal passiert das Gegenteil: Sie werden mit Dokumenten und Informationen überhäuft, so dass sie allein zum Lesen drei Wochen brauchen.

Das hilft dem Externen nicht, schnell den richtigen Weg zu finden. Daher ist es wichtig, dass sich ein Vorbereitungsteam darüber abstimmt, welche Informationen für das Projekt/Aufgabe wichtig sind und wer sie wie bereitstellt.

Keine Zeit für die Projektauftrag-Vorlage?

Die Erfahrung zeigt: Zeit, die zum Projektstart eingespart wird, kommt wie ein Bumerang zu einem späteren Zeitpunkt doppelt zurück. Wie auch immer, die Nutzung einer Projektauftrag-Vorlage ist natürlich freiwillig. Sie können meine Vorlage als Muster verwenden und den eigenen Bedürfnissen anpassen.

Download – Projektauftrag-Vorlage

Download Excel     

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